Kreativität geht alle an - damit ist keiner verantwortlich??

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Gast: Abteilung Heuristik

Als Gastseite

soll hier zur Abteilung Heuristik Karl-Marx-Stadt - organisatorisch erst an der TU Karl-Marx-Stadt, dann an der AMLO Berlin und danach an der Akademie der Wissen-schaften, Zentralinstitut Kybernetik und Informationsprozese (ZKI)  - berichtet werden.

 

Die Abteilung Heurístik selbst war nur in den Jahren 1970 - 1972 aktiv, hat aber viele Ergebnisse und andere Spuren bis heute hinterlassen.

Das soll in einigen folgenden Beiträgen dargestellt werden.

 neu durchgesehen 07.(!)10. 2018

 Es folgen

1.  ein Kurzbericht zur Abteilung Heuristik,

2.  eine Ergebnisübersicht und Literaturliste (mit Nachfolgewerke)

3. der Beitrag in der "Historie der problemlösenden Kreativität" zu

    Johannes Müller (s. www.problemlösendekreativität.de),

4. der Nachruf für Prof. Müller  und

5. Infos zu Nachwirkungen bis heute.

Die förmliche Existenz der Abteilung ist die Zeit nach der Herauslösung der Forschungs- und Lehrformation von Prof. Dr. phil. habil. Johannes Müller (1921-2008) aus der TU Karl-Marx- Stadt von der Gründung 1970 und nachfolgender Arbeit als (relativ) eigenständige  Abteilung Heuristik Karl-Marx-Stadt bei der AMLO Berlin (Akademie der Marxistisch-Leninis-tischen Organisationswissenschaften) bis zu deren Auflösung 1972.

Fachlich wird ein Teilgebiet fortgeführt als gesonderte Forschungsgruppe des ZKI (Zentralinstitut Kybernetik und Informationsprozesse) bei der Akademie der Wissenschaften zu Berlin.

Das Bild des Begründers der Systema-tischen Heuristik und unseres damaligen Chef ist dem Beitrag unter 4. entnommen

Zu 1.:  Kurzbericht zur Abteilung Heuristik 

Mit den Veröffentlichungen [M 5] und [M6] von Prof. Müller war als Fakt ein fachlicher Vorlauf geschaffen, für den unter den damaligen Bedingungen eine schnelle Umsetzung seitens der DDR-Führung erhofft wurde.

Mit Jahresbeginn 1970 wurde folglich aus der Forschungsgruppe „Methodologie“ Prof. Johannes Müller’s an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt die ‚Abteilung Heuristik Karl-Marx-Stadt’ der kurz vorher geschaffenen Akademie für Marxistisch-Leninistische Organisationswissenschaften (AMLO) Berlin. Die AMLO war als zentrale Forschungs- und Weiterbildungseinrichtung für die Wirtschaftskader der DDR-Wirtschaft zur Umsetzung des "Neues ökonomisches System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft" (NÖSPL) geschaffen worden und führte ein breites Weiterbildungsprogramm zur NÖSPL durch.

Für die personelle Verstärkung der Abteilung Heuristik bekam Prof. Müller – ähnlich wie deutsche Forschungsinstitute am Anfang des Jahrhunderts – die Möglichkeit sich eine junge, dynamische, sich fordernden Aufgaben stellende Kernmannschaft zusammen zustellen, die aus der gesamten DDR gewonnen wurde.  

Gleich mit Arbeitsbeginn wurden die Abteilungsangehörigen in die von der Abteilung durchgeführten Intensiv- kurse zur "Systematischen Heuristik" einbezogen und noch als selbst Lernende vorliegendes Material  Studierende mit Lehraufgaben betraut. Es war eine sehr fordernde Zeit mit extensiver Arbeit zur Selbst-qualifikation, Weiterentwicklung der Systematischen Heuristik und  Ausbildung von vor allem Forschungs- und Entwicklungs­mitar-beitern der Großforschungszentren der DDR. Parallel kam noch die Umsetzungsarbeit meist zusammen mit den in den Intensivkursen ausgebildeten Mitarbeitern in den Großforschungszentren Chemie/ Leuna, Werkzeugmaschinenbau Karl-Marx-Stadt, Rechentechnik (Robotron) Dresden / Karl-Marx-Stadt und Erdölverarbeitung /Schwedt hinzu, für die jeweils eine HEUTEVO-Gruppe (Heuristik in der Technischen Vorbereitung) der Abt. gebildet wurde.

 In diesem altehrwürdigen Gebäude im 3. Stock- zentral in der Bretgasse am Markt in Karl-Marx-Stadt gelegen, fanden wir unsere Arbeitstelle, die freundlicher Weise Kurt Peter Hofmann uns hier mit dem aktuellen Stand abgelichtet hat.

Weiterhin bestand eine Gruppe Forschung  und eine Gruppe Weiterbildung sowie ein eigener Ökonomiebereich. Die Abteilung in Karl-Marx-Stadt war der AMLO Berlin unterstellt, aber ökonomisch und inhaltlich selbstständig, wie es dem NÖSPL entsprach. Die Abteilung arbei­tete nach einer eigenen wirtschaftlichen Rechnungsführung, hatte sich durch Verträge (meist mit den Großforschungszentren) zu kostendeckenden Preisen (einschließlich Gewinnmarge) selbst zu finanzieren. Auch relativ hohe ökonomische Stimuli aus dem erwirtschaften Gewinn wurden den Prinzipien des NÖSPLentsprechend erwirtschaftete und bezahlt.

Für die intensive Arbeitsatmosphäre der insgesamt ca. 30 Mitarbeiter war das wohl nicht entscheidend, da die Arbeitsaufgaben hoch spannend und interessant waren und von Prof. Müller kollegial fordernd auf hohem Niveau gehalten wurden, aber wirkte sicher auch dank der Höhen in dem mit Prämienzahlungen nicht verwöhnten‚ 'nicht materiell produzierenden’ Bereich – auch eine damalige Maßnahme des neuen NÖSPL der DDR.  

Zwei Jahre kontinuierlicher Arbeit erbrachten erstaunliche Ergebnisse. Das betraf die Weiterbildung, die fast ständig einen der zweiwöchigen Intensiv-Internats-Lehrgänge für die Wirtschaft betrieb, die Arbeit in den vier HEUTEVO-Gruppen, und auch die Forschung, die mit den Ergebnissen der anderen Gruppen sich in den Veröffentlichungen zeigte. So kam schnell die (einbändige) Programmbibliothek zur Systematischen Heuristik heraus [M 8] ► siehe zum Inhalt unter Beitrag Prof. Müller zur ‚Historie der Problemlösenden Kreativität’ (Pkt.3).

Sofort wurde von allen wissenschaftlichen Mitarbeitern der Abt. an deren Überarbeitung gearbeitet, die 1973 als dreibändige Ausgabe erscheinen konnte [M 9]. Parallel wurden zahlreiche Dissertationen an verschiedenen vor allem technikwissenschaftlichen Fakultäten der Hochschulen betreut, die die Grundgedanken der Heuristik auf ihre Fachgebiete projektierten, z. B. [Al 1]. Siehe auch im Literaturverzeichnis bei [M10].

Müller formulierte 1980 seine eigene Berateraufgaben vor Ort mit “Methoden muss man anwenden“ [Mü 5]

Die Arbeit der Abt. wurde Anfang 1972 abgebrochen, nachdem die AMLO Berlin geschlossen worden war. Ein neuer Kurs in der Wirtschaftspolitik der DDR setzt die Reformbestrebungen der NÖSPL (Neues Ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft) aus: das „zuviel an Marktwirtschaft“ wurde zurückgenommen, die Überspannungen der Wirtschaft durch die hohen Anforderungen an Entwicklungsaufgaben zu Gunsten mehr Konsumorien-tierung verringerte Investitionen, die Organisationswissenschaften hatten nicht den erwarteten Erfolg gebracht. Formell war die Systematische Heuristik von den kritischen Einschätzungen ausgenommen und es wurde bei Auflösung der Abt. deren Arbeit hoch eingeschätzt. Aber durch die formale Zuordnung zur Organisationswissenschaft (AMLO) und dank des zentralisierten Systems der DDR wurde viele der guten Ansätze mit nach ‚unten’ gezogen – obwohl aus der Abt. eine Forschungsgruppe gebildet wurde, die Prof. Müller noch viele Jahre bei der Akademie der Wissenschaften Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse weiter führte. Auch aus dieser Zeit liegen bemerkenswert Ergebnisse vor [M10], dass eine erstaunliche Fülle von Resultaten insgesamt zusammen fast.

Neben diesen Ergebnissen hat die Arbeit der Abt. Heuristik in der Wissenschaftslandschaft viele Spuren hinterlassen. Nicht nur o. g. Dissertationen, sondern viel konstruktionswissen­schaftliche u. a. Ausarbeiten wurde von ihr stimuliert. So entstanden z. B. eine Design–Methodik [Fr 1], eine Programmbibliothek für Organisatoren und Leiter von F/E-Bereichen [S 7] und die wichtige Arbeit [M 10], die fast alles an bisherigen Erkenntnissen zur SH zusam-men fassend wieder gibt.

In seiner letzten das Gesamtergebnis wertenden Arbeit [Mü 6] stellt Müller fest, dass Ingenieure - wie alle Problemlöser - versuchen, ihr Verhalten zu optimieren. Dabei wenden sie selbstverständlich Methoden an, weil sich ihre Probleme „nicht außerhalb geordneten Vorgehens lösen“ lassen. Es geht aber nicht nur um extern bereitgestellte, sondern auch um vielfältig erworbene und im „Inneren“ verfügbare Methoden, die z. T. durchaus auch z. B. dem Alltagswissen zu geordnet werden können. Für die Akzeptanz der extern bereitge-stellten Methoden kommt es folglich auf die „innere Schnittstelle“ zwischen beiden an, wie sich Bedarf, Situation, Umstände u. a. gestalten. „Praktiker haben keine Akzeptanz-schwierigkeiten gegen über Methoden und Methodik, aber sie müssen beim Gebrauch die ihnen gemäße „Gangart“ anschlagen, individuelle Ausprägungen benutzen und so verfahren dürfen, wie sie „das Zeug dazu haben“". Nur dann wird es auch effektiv. [Zitiert nach S 14].

 Dr. Stanke ehem. Stellv. Abt.-Ltr.

 

  2. Ergebnisübersicht als Literaturliste

(mit Bitte um Vorschläge für Erweiterung)

  

 Fehlt zur Zeit

O

 

3. Johannes Müller - der Begründer der Systematischen  Heuristik

(Beitrag Nr. 8 der "Historie/Geschichte der problemlösenden Kreativität in Deutschland" bei www.problemlösendekreatvität.de)

Von Klaus Stanke nach einem Manuskript von Jürgen Albrecht [www.storyal.de] unter Mitwirkung von Dietmar Zobel

   

Das Getriebe-Bild

von KPH soll zeigen,

dass Müller von Anfang an

die Verbindung zur Technik - konkret

zu den Konstruktionswissenschaftlern

sehr erfolgreich gesucht hat.

 

 

 

Bereits in seiner Dissertation (1964) beschäftigte sich Johannes Müller mit dem

Ingenieurdenken. Danach analysierte er an der Hochschule für Maschinenbau, Karl-Marx-Stadt (heute TU Chemnitz), in seiner Habilitationsschrift das methodische Vorgehen von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren. Dabei entstand das Konzept der Systematischen Heuristik (1968). Um diesen Ansatz weiter zu verfolgen, gründete Johannes Müller 1968  an der Hochschule für Maschinenbau die Arbeitsgruppe „Methodologie der Technischen Wissenschaften“ und organisierte Lehrgänge für Forscher und Entwickler aus der Industrie. Eine Institutionisierung dieser Forschung- und Anwenderaktivi­täten erfolgte Ende 1969, in dem die Arbeitsgruppe Methodologie in die Abteilung ‚Heuristik’ überführt, aus der Hochschule herausgelöst und so als eine Abteilung mit Sitz in Karl-Marx-Stadt der Akademie für Marxistisch-Leninistische Organisationswissenschaft (AMLO), Berlin wurde. Diese Abteilung unter Leitung von Prof. Müller hatte die Aufgabe, die Syste­matische Heuristik in vier Großforschungszentren der DDR einzuführen, um die Effektivität von Forschung und Entwicklung zu erhöhen. Ihr gehörten ca. 25 Wissenschaftler und Ingenieure aus Wissenschaft und Praxis an.

In den Jahren 1969 bis 1972 wurde die Systematische Heuristik erfolgreich bei zahlreichen Entwicklungsprojekten des Maschinenbaus, der Chemieindustrie (Leuna und Schwedt) und der Elektronik (Robotron) praktisch angewandt. Bereits 1972 wurde die AMLO aus ideologischen Gründen und mit ihr die Abteilung Heuristik aufgelöst. Unter Leitung von Johannes Müller dokumen­tierten die Mitarbeiter der Abteilung ihr Wissen in [M8]. Eine geplante Rechnerunterstützung der Systematischen Heuristik konnte nicht mehr begonnen werden.

M. arbeitete in Karl-Marx-Stadt weiter mit einer kleineren Gruppe von Wissen­schaftlern zugodnet dem Zentralinstituts für Kybernetik und Informationsprozesse (ZKI) an der Akademie der Wissenschaften, Berlin. Er konzentrierte er sich auf die Arbeitsmethoden der Technikwissenschaften und auf die seine gesamte Arbeit zusammenfassende Monographie [M10], in der er die „systematischen Problemlösungsmethoden mit und ohne Rechnereinsatz“ im Maschinen- und Gerätebau umfassend analysierte und darstellte. Hier ist auch der letzte Entwicklungsstand der Systematischen Heuristik dokumentiert.

Zur Müllerschen „Systematischen Heuristik“

Die Systematische Heuristik ist eine Technologie der geistigen Arbeit. Es handelt sich um ein Methodensystem zur Bewältigung von Aufgabenstellungen und Problemlösungs-prozessen aus den Bereichen Naturwissenschaft und Technik.

Das Prinzip der Systematischen Heuristik besteht darin, wiederkehrende Problem-­

klassen mit Methoden zu bearbeiten, die sich in der Vergangenheit als effektiv erwiesen haben. Diese Methoden werden Programme genannt und in einer Programmbibliothek zur Wiederverwendung bereitgestellt. Das Arbeitsregime für die Problemlösung wird durch das Oberprogramm der Systematischen Heuristik vorgegeben und für die jeweilige Aufgabe spezifiziert.

Die systemwissenschaftliche Arbeitsweise (SWAW) und der Begriffsapparat sind Bestandteil des Oberpro­gramms. Dabei hat sich das Modell der 3-Handlungsebenen (Schicht- und Schrittübergänge’) als methodisch geschickt und effektiv erwiesen.

Das Programm zur Präzisierung von Aufgabenstellungen („A 2-Programm“) oder die legendäre „black-box“ hatten sich in den 70er Jahren weit verbreitet. Ein wichtiges Allein-stellungsmerkmal ist der Methodenbaukasten – eine Bibliothek heuristischer Programme. Diese vielen Programme (je nach Ausbaustufe >35 bis >100 heuristische Programme [M 7 bzw. 8]) werden vom Oberprogramm zielgerichtet aufgerufen. So können große Bereiche gedanklicher Arbeitsprozesse methodenbewusst gestaltet werden.

Die Programmbibliothek erklärt ihren Inhalt für die unterschiedlichen Gebiete gedanklicher Tätigkeit durch die Begriffe selbst, wobei z. B. C1; C2, C3 und C4 die Hauptschritte zum Erarbeiten (wissenschaftlich-technischer) Gesetzesaussagen sind.

A

Aufgaben­

stellung

B

Begriffe; Be­

griffsysteme

C

Gesetzes­aussagen

D

Modelle

E

Entwürfe

F

Verfahren

G

Program­me

A1

suchen

B1

benennen

C1

bilden

D1

aufstellen

 

E1

Prinzip aufstellen

F1

Wirkprinzip

bestimmen

G1

Algorithmus aufstellen

A2

präzisieren

B2

präzisieren

C2

Überprü­fen

D2

Umfor­men

E2

Bewerten, entscheiden

F2 experimen­tell ermitteln

G2

erarbeiten

A3

Teilaufgaben

formulieren

B3

explizieren

C3

Präzisie­ren

D3

Behan­deln

E3

anpassen

F3

gedanklich

durcharbeiten

G3

testen

 

 

B4

Klassifizie­ren

C4

Einord­nen

 

 

 

G4

einfahren

Tabelle1: Programmbibliothek zur Systematischen Heuristik für Naturwissenschaftler und Ingenieure [M 8, S.140]

 

Nachteil der Systematische Heuristik heute sind das anspruchsvolle Darstellungs­niveau hinsichtlich Sprache (vgl. Speicherspalte B in Tabelle 1), die abstrakte Darstellung und nötige theoretische Kenntnisse, die zusammen mit der konsequen­ten und produktiven systemwissenschaftlichen Arbeitsweise eine Trainingstrecke erforderlich machen. Das wird heute nicht gern geleistet.

Viele der Nutzer aus den 70er Jahren verwenden noch heute das A 2-Programm und die daraus abgeleitete Black-Box-Darstellung. Die Erkenntnisse Müllers finden sich heute in vielen Bibliotheken der Ingenieurdisziplinen genügend breit wieder und haben – wenn auch mit deutlich unterschiedlicher Intensität die Konstruktionswissenschaftler und deren Publikationen der Jahre seit 1970 mit beeinflusst [S 14]. Die sich in den 70er und 80er Jahren verbreiteten „Erfinderschulen“ konnten auf das von der Systematische Heuristik aufbereitete Verständnis von der Trainierbarkeit, Rationalisierungsmöglichkeit und –notwendigkeit ingenieurtechnischer Arbeit und die Mitwirkung vieler Heuristiker aufbauen. Sie nutzen viele Elemente der Systematische Heuristik. Ihre heutigen Autoren haben oft die Heuristik als Vorläufer und Anreger. Die „Erfinderschulen“ waren und sind - wie die Praxis heute zeigt – einfacher umzusetzen als die relativ umfassende Systematsiche Heuristik.

Schlussfolgerungen für die Kreativitätsanwendung:

1. Mit der Anwendung der Systematischen Heuristik in der DDR-Industrie konnte nachgewiesen werden: Wenn Forscher und Entwickler durch ein Arbeitsregime und zusätzlich angeleitet durch Methodik-Spezialisten mit der Systematischen Heuristik arbeiten, sind sie tatsächlich effektiver als vorher. Beispielsweise durch Erfinderschulen(s. dort) können einzelne Problemlöser ohne umfangreiche Organisation qualifiziert werden. Mit der komplexen Systematischen Heuristik werden dagegen die größten Effekte erreicht, wenn die Arbeitsweise ganzer Bereiche verändert wird.

 

2. Der Mensch schätzt die Routine und bewältigt damit den größten Teil seines Lebens. Zugespitzt formulierte M.: „Es ist nicht des Menschen Natur (vorzugsweise rational dominiert) geistig zu arbeiten.“ Seinen Verstand benutzt der Mensch nur dann, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt. Er vermeidet systematische Problemlösungen und den „Rationalbetrieb“ so lange wie möglich, denn sie bedeuten Stress und Aufwand. Deshalb legen Forscher und Entwickler "im Normalfall" jedes Methodensystem wieder beiseite. Eine ganz wesentliche Erkenntnis aus der industriellen Anwendung der Systematischen Heuristik.

 

3. In seinem oben genannten Werk nennt M.u.a. als Schlussfolgerung nach 30-jähriger Forschungsarbeit: Die Arbeitstechniken der gedanklich Tätigen, insbesondere der Ingenieure „ist zunehmend durch die Anwendung von systematischen Problemlö-sungsmethoden mit und ohne Rechnereinsatz gekennzeichnet. Grundlagen für den Wandel von stärker intuitiv betonten und auf Erfahrung beruhenden Vorgehen zum mehr methodischen, rechnergestützten Arbeiten sind die Analysen bewährter Arbeitsmethoden ...“. Dabei haben sich viele Methoden, Ansätze und Programmsammlungen und andere Formen (Kreativitätstechniken usw.) bewährt, wenn sie für geeignet adaptives Anwenden gestaltet sind. Bereits mit wenigen Methoden werden beachtliche Wirkungen erzielt.

 

Die Konstruktionsmethodik und eine Methodologie der Technikwissenschaften wurden durch viele Erkenntnisse und Werkzeuge aus dem Hause Müller deutlich weiterentwickelt. Eine vermeintlich heute gespürte Verringerung der Forschung auf diesen Gebiet sollte beunruhigen.

 

4. Für die Akzeptanz der extern bereitgestellten Methoden kommt es auf die „innere Schnittstelle“ zwischen diesen externen und den im Kopf vorhandenen ‚inneren’ Methoden an und wie sich Bedarf, Situation, Umstände u. a. gestalten. „Praktiker haben keine Akzeptanzschwierigkeiten gegen über Methoden und Methodik, aber sie müssen beim Gebrauch die ihnen gemäße „Gangart“ anschlagen, individuelle Ausprägungen benutzen und so verfahren dürfen, wie sie „das Zeug dazu haben“. Nur dann wird es auch effektiv. Methoden müssen folglich nicht vollständig vorgegeben sein, komplett aktualisiert oder sequentiell abgearbeitet werden. Das schließt ihre logisch-systematische Darstellung nicht aus (z. B. für Einsteiger als Methodenbaukasten), aber jeder Nutzer muss dann diese Methoden/Methodik „herunterbrechen“ können „fall-, situations- und vor allem personenspezifisch“.

So wissen wir heute für gedankliche Arbeitsprozesse: das richtet sich eindeutig gegen einen generellen Geltungsanspruch von Methoden (z.B. beim TRIS), aber auch gegen zu detaillierte Vorgaben (die Akzeptanz der auf ca. 100 Programm erweiterten 3. Programm-bibliothek zur SH war geringer als die mit ca. 30 Programmen). Daraus folgert M. auch, man kann die Bearbeiter in schöpferischen Prozessen „nicht „programmieren“ auch nicht heuristisch““. Dazu sei als Konsequenz weiter zitiert: „Methodik darf nicht versuchen, den Praktiker zu steuern, sie kann sich bemühen zu stimulieren.“.

 

Kahneman konnte in [Ka1] dafür beeindruckende experimentelle Beweise vorgelegen. Offenbar vertrauen wir alle zunächst einmal unserem Bauchgefühl. Das arbeitet automatisch, und die so getroffenen Entscheidungen entstehen anscheinend mühelos. Nur wenige sind bereit, ihren ‚Verstand einzuschalten’, die oft genug niveaulosen Spontan-lösungen zu hinterfragen, und danach schließlich eben doch den mühseligen systema-tischen Weg zu gehen. Wer sich dieses Zusammenhanges bewusst ist, schätzt den Einsatz der Systematischen Heuristik um so mehr.

Literatur und Weiterführende:

•   Stichworte bei Wikipedia: „Systematische Heuristik“ und „Johannes Müller

(Heuristiker)“

 [M 7] Müller, Johannes: Programmbibliothek zur systematischen Heuristik für

Naturwissenschaftler und Ingenieure.(Technisch-wissenschaftliche Abhandlungen des ZIS. Nr. 69). Zentralinstitut für Schweißtechnik (ZIS), Halle/Saale 197 [M 6] Müller, Johannes: Grundlagen der systematischen Heuristik. Dietz, Berlin 1970.

 [M 8] Müller, J., Koch, P. (Hrsg.):Programmbibliothek zur systematischen

Heuristik für Naturwissenschaftler und Ingenieure. (Technisch-wissenschaftliche Abhandlungen des ZIS.Nr. 97, 98 und 99). 3. Auflage, Zentralinstitut für Schweißtechnik (ZIS), Halle/Saale 1973.

[M 10] Müller, J.: Arbeitsmethoden der Technikwissenschaften – Systematik,

Heuristik, Kreativität. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1990, ISBN 3-540-51661-1.

[Mü 1] Müller, J. : Akzeptanzproblemein der Industrie, ihre Ursachen und Wege

zu Ihrer Überwindung in: G. Pahl Psychologische und pädagogische Fragen beim methodischen Konstruieren 1994 Verlag TÜV-Rheinland Köln

[Ka1] Kahnemann, D.: Schnelles Denken, langsames Denken. Siedlerverlag

München 2012 

[S 14] Stanke, K.: Systematische Heuristik in "Ingenieur-Nachrichten, Ztsch. f.

Wissenschaft, Wirtschaft und Technik. Erfurt (2009) 1. S. 29

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4.Nachruf zum Tod Prof. Johannes Müller

 

 Johannes Müller, Chemnitz –

 

Begründer der Systematischen Heuristik (SH) und Mitgestalter einer Ingenieurmethodik ist tot – ein Nachruf vom Dezember 2008.

 

Nachfolgender Beitrag erschien leicht gekürzt aber mit obigem Bild J. Müllers in den INGENIEUR-Nachrichten Ztschr. f. Wirtschaft, Wissenschaft und Technik Heft 1/2009 S. 32 unter dem Titel „Systematiche Heuristik“ und mit gleichlautenden Titel im Buch „Technik- Geschichten“ des VITT (Hrsg.) Erfurt: Desotron Verlagsgesellschaft Dr. Günter Hartmann & Partner 2004 ISBN 978-3932875-37-3

 

2008 verstarb Prof. Dr. phil. habil. Johannes Müller, der zahlreichen Ingenieuren der DDR als „Heuristik-Müller“ bekannt ist, im Alter von 86 Jahren.

Er befasste sich ab 1964 mit der Arbeitsweise von Ingenieuren, insbesondere Konstruk-teuren aus erkenntnistheoretisch-logischer Sicht. Ziel war, deren Arbeitsweise methodisch weiter zu entwickeln. Dabei kooperierte er mit führenden Konstruktionswissenschaftlern der DDR, wie Prof. Hansen, Ilmenau, u.a. Die Praxisumsetzung im Zentralinstitut für Schweißtechnik (ZIS) der DDR unter dessen legendären Leiter, Prof. Gilde, haben den Erfolg dieser schwierigen Thematik (u.a. als deutlich gestiegene Patentanzahl) bestätigt.

 

Als „Systematische Heuristik (SH)“ - siehe Wikipedia - wurden die ersten Anwendungs-erfolge breit popularisiert, denn dem 1969 in der DDR geschaffene Modell eines „Neuen Ökonomischen System der Planung und Leitung der Vokswirtschaft des Sozialismus“ (NÖSPL) kam die SH gerade Recht zur Effektivitätserhöhung wissenschaftlich-technischer Arbeit. Aus der Arbeitsgruppe Methodologie der TH Karl-Marx-Stadt entstand die Abteilung Heuristik der Akademie für Marxistisch-Leninistische Organisationswissenschaft (AMLO) unter Leitung Müllers. 1969 -1972 wurde die methodische Qualifizierung von Ingenieuren in vier Großforschungszentren umgesetzt. In vielen anderen Entwicklungsbereichen liefen mehrwöchigen Intensivkurse. Mit dem Wechsel der Parteispitze der DDR und der so erfolgten Neuorientierung der Wirtschafts- und Sozialpolitik wurde die Abteilung aufgelöst. Ein ca. Viertel wurde zur Arbeitsgruppe an der Akademie der Wissenschaften, Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse. Unter Leitung von Prof. Müller forschte sie bis 1990 zum Schwerpunkt heuristische und methodische Kompetenz von Ingenieuren, darunter zu „Informationsbedarfsermittlung“ heuristischer Verfahren und anderen konstruktionswissenschaftlichen Themen. Mit dem Buch „Arbeitsmethoden der Technikwissenschaften Systematik - Heuristik - Kreativität“ [Springer Verlag] fasste Müller 1990 die Ergebnisse zusammen.

 

Was ist aus der Arbeit dieses äußerst fleißigen, überzeugenden und gründlichen Wissenschaftlers geworden? Eine breite Palette von Veröffentlichungen stellt die von ihm und seinem Team gefundene Erkenntnisse bereit so z.B. in der „Programmbibliothek zur SH für Ingenieure und Naturwissenschaftler“. Müller hat für die Ingenieurmethodik u.a. die Systemwissenschaftliche Arbeitsweise (SWAW) und ihre Begriffswelt eingeführt/ berück-sichtigt, die Technik der Schicht- und Schrittübergänge als methodisch geschickten, effektiven Kern genutzt. Das Programm „Präzisierung von Aufgabenstellungen“ (A 2-Pro-gramm) oder die legendäre „black-box“ wurden in den 70er Jahren weit verbreitet.

Die ehemals 25 Mitarbeitern der Abteilung, aus der 10 Hochschullehrer hervorgingen, darunter sechs Professoren, u.a. Multiplikatoren haben intensiv eigenständig Weiterent-wicklungen und Anwendungen betrieben.

Die Erkenntnisse Müllers finden sich heute in vielen Bibliotheken der Ingenieurdisziplinen und haben die Konstruktionswissenschaftler in Ost und West seit 1970 deutlich beeinflusst. Dieser Einfluss als Vorläufer, konzeptioneller Mitgestalter und Mitwirker von Heuristikern betrifft auch die danach verbreiteten „Erfinderschulen“ ebenso wie die ab 1985 national und international unter Psychologenmitwirkung praktizierten 'ctc' „Kreativitätstechnik-Seminare der Bauakademie“.

 

Heute entsteht leider z. T. der Eindruck, dass Erkenntnisse aus seiner Forschungsarbeit (Teamkapazität ca.200 Mannjahre) zur methodischen Seite der gedanklichen Arbeit zu wenig genutzt / präsent sind. Das Nichteingehen auf Müllers Schlussfolgerungen (s.u.) ist für die weitere Vervollkommnung der ingenieurtechnischen Arbeit hinderlich. Auf diesen Innovations-Ausweg darf infolge der neuen aktuellen Herausforderungen nicht verzichtet werden.

 

In o.g. Buch heißt es, die Arbeitstechnik insbesondere der Ingenieure „ist zunehmend durch die Anwendung von systematischen Problemlösungsmethoden mit und ohne Rechnereinsatz gekennzeichnet. Grundlagen für den Wandel von stärker intuitiv betonten und auf Erfahrung beruhenden Vorgehen zum mehr methodischen, rechnergestützten Arbeiten sind die Analysen bewährter Arbeitsmethoden“. Bewährt als Methoden haben sich viele Vorgehensweisen, Programmsammlungen, Kreativitätstechniken usw., wenn sie für geeignet adaptives Anwenden gestaltet sind. „Bereits mit wenigen Methoden“ werden beachtliche Wirkungen erzielt.

 

In seiner abschließenden Arbeit* schreibt Müller, dass Ingenieure wie alle Problemlöser versuchen, ihr Verhalten zu optimieren. Dazu wenden sie Methoden an, weil sich ihr Problem „nicht außerhalb geordneten Vorgehens lösen“ lässt. Da geht es um extern bereitgestellte und um im „Inneren“ verfügbare (auf vielfältige Art erworbene) Methoden, die auch z. B. dem Alltagswissen zu geordnet werden können. Für die Akzeptanz der extern bereitgestellten Methoden kommt es auf die „innere Schnittstelle“ zwischen beiden an, wie sich Bedarf, Situation, Umstände u. a. gestalten. „Praktiker haben keine Akzeptanz-schwierigkeiten gegen über Methoden und Methodik, aber sie müssen beim Gebrauch die ihnen gemäße „Gangart“ anschlagen, individuelle Ausprägungen benutzen und so verfahren dürfen, wie sie „das Zeug dazu haben““. Nur dann wird es auch effektiv.

Folglich erweitert Müller auch den Begriff „Methode“, nicht nur als Menge von Vorschriften, sondern als Regulativ, was einen geordneten Vollzug einer gedanklichen Handlung sicherstellt (statt Regelstrecke: Regelprogramm).

Methoden müssen also nicht vollständig vorgegeben sein, komplett aktualisiert oder sequentiell abgearbeitet werden. Das schließt ihre logisch-systematische Darstellung in einem Methodenbaukasten nicht aus. Jeder Nutzer muss Methoden/Methodik „fall-, situations- und vor allem personenspezifisch“ „herunterbrechen“ können.

Bearbeiter in schöpferischen Prozessen kann man „nicht „programmieren“ auch nicht „heuristisch““. Konsequenz ist: „Methodik darf nicht versuchen, den Praktiker zu steuern, sie kann sich bemühen zu stimulieren.“

Prof. Dr. K. Stanke in Absprache mit ehem. Mitarbeiter der Abteilung Heuristik

 

* Akzeptanzprobleme in der Industrie, ihre Ursachen und Wege zu Ihrer Überwindung in: G. Pahl Psychologische und pädagogische Fragen beim methodischen Konstruieren 1994 Verlag TÜV-Rheinland Köln]

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5. Nachwirkungen bis heute

 

Es soll hier nicht die vielfältigen fachlichen Fragen im Mittelpunkt stehen, über die in der Literatur nachgelesen werden kann (z. B. bei "Historie der problemlösenden Kraetivität - Erfinderschulen), sondern die Angehörigen der Abteilung Heuristik selbst.

 

Es sind immer die Köpfe, die entscheidend sind. Und von diesen haben die meisten nur die kurze Zeit von max. zwei Jahren zusammen gearbeitet, dann hat sich der größte Teil, wenn auch relativ geordnet, über die ganze DDR verstreut. Trotzdem, und das ist ein gutes Zeichen für diese „Köpfe“, treffen sie sich Jahr für Jahr im Herbst.

 

Da es aber eine sehr junge dynamische Mannschaft mit einer außergewöhnlichen Arbeitsatmosphäre, Kollegalität und stimulierender Thematik war, hat sie sich ein Zusammengehörigkeitgefühl bewart, das bis heute beispielhaft ist. 

 

Die Tabelle der Trefftermin hat das Programm auf die letzte Seite  (Impressum) eigenmächtig verschoben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tabelle der Trefftermine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da es aber eine sehr junge dynamische Mannschaft mit einer außergewöhnlichen Arbeitsatmosphäre, Kollegalität und stimulierender Thematik war, hat sie sich ein Zusammengehörigkeitgefühl bewart, das bis heute beispielhaft ist. 

 

 

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