Kreativität geht alle an - damit ist keiner verantwortlich??

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www.kreativtät-techniken.de

Textfeld: Site zur Theorie: 
Heuristik und TRIZ

Ein aktueller und nötiger Diskussionsbeitrag, der zugleich die bisherige Entwicklung analysiert und darstellt, wie es mit TRIZ und der ihrer Verbreitung weitergehen könnte:

Zum Autor siehe bei www.kreativitaet4punkt0.de

 

Selbst im Alltag wurden inzwischen Heuristiken gefunden, die uns helfen, auf direktem, erfahrungsgeleiteten Weg, mit unseren ständig zu bewältigenden Problemen in einer immer komplexeren Welt fertig zu werden.

 

Mit der Absicht, die Planwirtschaft leistungsfähiger zu machen, wurde in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der DDR eine größere Kampagne zur Entwicklung und Einführung einer "Wissenschaftsorganisation" gestartet. In diesem Zusammenhang beschäftigte man sich bald auch mit heuristischen Verfahren. Eine der verfolgten Richtungen war, Abläufe in den Entwurfs- und Entwicklungsprozessen der Ingenieurtätigkeit so zu verbessern, daß Ideen für neue Produkte schneller gefunden, Aufgaben besser formuliert, Arbeitspläne effizienter aufgestellt und kontrolliert, Ziele schneller und genauer erreicht werden könnten.

Kernpunkt war eine Systematisierung der Arbeitsabläufe, wobei vor allem Verfahren aus dem Bereich der Kreativitätsforschung und dort gefundene heuristische Regeln genutzt wurden. Folgerichtig wurde die neue Wissensrichtung "Systematische Heuristik" genannt.

Eine weitere Aufgabe der Wissenschaftsorganisation war die Entwicklung von "Maßnahmen zur Verbesserung der Patentsituation". Auf diesem Gebiet gab es in den Siebziger Jahren erhebliche Defizite, wodurch DDR-Produkte im internationalen Maßstab oft nicht konkurrenzfähig waren.

Ausgangspunkt wurden die Arbeiten von G.S. Altshuller aus der UdSSR, der gerade erste anwendungsfähige Ergebnisse für eine "Theorie der Erfindungen" publiziert hatte. In müh-samer Kleinarbeit untersuchte er tausende von Erfindungen auf ihren innovativen Inhalt und entwickelte einerseits eine Tabelle mit Denkanstößen für neuartige kreative Lösungen, ausgehend von vorhandenem Wissen, andererseits eine Theorie zum Suchen und Verwenden von Widersprüchen als übergeordnetes Handlungsprinzip einer "Theorie des Erfindens".

Diese Theorie wurde in den  Folgejahren weiterentwickelt und fand vor allem Interesse bei Fachleuten des Erfindungswesens und des kreativen Problemlösens im Sozialistischen Lager.

Die Arbeiten an der Systematischen Heuristik dagegen, wurden seitens der SED-Parteiführung kritisch gesehen und wegen ihrer Nähe zur verpönten Systemtheorie schließlich nicht mehr als anwendungsfähig betrachtet. Sie gerieten mehr und mehr in Vergessenheit.

Die  "Theorie zur Lösung erfinderischer Aufgaben" (TRIZ)  von G.S. Altshuller dagegen, überlebte dank der Hartnäckigkeit ihrer Verfechter auch Angriffe durch die sowjetische Führung, die bis zur Deportation ihres Erfinders in ein Straflager gingen. Sie wird bis in die heutige  Zeit als Strategie für ein zielgerechteres Erfinden und für die Produkt- und Portfolio- Gestaltung innovativer Unternehmen genutzt.

Nach 1990 wurde sie auch in den USA, und anderen 'westlichen' Ländern bekannt.

Inzwischen gibt es vielfache Weiterentwicklungen und Ergänzungen.

Dabei zeigen sich aber auch eine Reihe von Nachteilen, die mit ihrem Entstehen unter sozialistischen Verhältnissen zu tun haben. Die Gruppe um G.S. Altshuller bestand aus Idealisten, die sich mit ihren Vorstellungen von Kreativität gegen eine vorherrschende Ideologie und einen entsprechend orientierten Staatsapparat durchsetzen mußten. Wirtschaftliche Interessen an einer Erfindung spielten gegenüber der "Idealität" einer gefundenen Lösung eine untergeordnete Rolle.

Die unveränderte Verwendung einer solchen Theorie unter marktwirtschaftlichen Bedingungen ist logischerweise problematisch. Trotzdem versucht seit längerer Zeit eine internationale Anwendungsgemeinschaft durch Umdeutungen und Ergänzungen die in der Planwirtschaft entstandene TRIZ  in ein gefragtes Produkt  der Marktwirtschaft zu verwan-deln.

Es haben sich eine Reihe von Organisationen, Plattformen und Unternehmen gebildet, die die Nutzung bewerben und entsprechende Ausbildungen organisieren.

Problemlösungen werden auch direkt als Dienstleistung angeboten. Über ein Graduierungssysten wird versucht, den Fachleuten für dieses Wissensgebiet einen inter-nationalen Markt zu erschließen. Weil bisher aber weiterhin vorrangig auf der Grundlage der von Altshuller entwickelten 'authentischen' TRIZ gearbeitet wird, ist der wirtschaftliche Erfolg bis heute mäßig, was ständig beklagt wird.

Inzwischen  muß festgestellt werden, daß es auch wieder Bedarf für die Ideenwelt der Systematischen Heuristik gibt. Nicht nur das kreative Problemlösen mit dem Ziel der Entwicklung neuer Produkte, sondern auch das Lösen von  Problemen, die durch die steigende Komplexität unserer Umwelt und Gesellschaft entstehen, hat enorm an Bedeutung zugenommen:

 „Je komplexer technische und organisatorische Systeme werden, umso mehr treten zugleich Grenzen der Kontrolle und Beherrschung auf. Diese Grenzen der Kontrollierbarkeit entstehen nicht (mehr) entlang der etablierten Unterscheidung von berechenbarer materiell-technischer 'Natur' einerseits und nichtberechenbarem sozial-kulturell 'Menschlichem' andererseits, sondern treten innerhalb komplexer technischer Anlagen und sozio-technischer Systeme auf. […]“

Diese Grenzen sind „nicht durch ein „Mehr“ an Wissenschaft und Technik ausschaltbar, sondern entstehen immer wieder in neuer Weise und auf neuem Niveau“ (Böhle 2009)82.
Die These ist, dass gerade in den Momenten ungeplanter Ereignisse und unerwarteter Problemlagen der rationalverstandesmäßige Handlungsmodus selbst an seine Grenzen gerät und andere Handlungsweisen relevant werden.

Das folgende Zitat von Böhle (2009) kann hierbei für alle diskutierten neueren Konzepte gelten, denn sie machen „darauf aufmerksam, dass Menschen Informationen nutzen und Informationsquellen erschließen können, die nicht präzise definierbar und beschreibbar sind, gleichwohl aber Auskunft über Eigenschaften und Wirkungsweisen konkreter Gegebenheiten geben, die einer objektivierenden, verstandesmäßig geleiteten sinnlichen Wahrnehmung nicht zugänglich sind.“ ( Zitat aus :Judith Neumer: Neue Forschungsansätze im Umgang mit Unsicherheit und Ungewissheit in Arbeit und Organisation :Zwischen Beherrschung und Ohnmacht.  bei: www.internationalmonitoring.com, RWTH Aachen,08.07.2009)

 

In letzter Zeit wird deshalb verstärkt nach Möglichkeiten gesucht, Problemlösungsprozesse auch unter Zielunsicherheit, fehlendem Wissen zu Ausgangsgrößen und Lösungsverfahren, störenden Kontexteinflüssen und fehlenden Ressourcen effektiv  zu gestalten. Dabei geht es weniger um die Neuartigkeit der Lösung, als um die schnelle, möglichst effektive Lösung von Problemen.  Sowohl das kreative Problemlösen nach TRIZ als auch das Problemlösen unter Unsicherheit und Zeitdruck haben dabei die Gemeinsamkeit, daß neue, innovative Hand-lungsfelder zu eröffnen und zu gestalten sind. Die Methodiken beider Wissensgebiete unterscheiden sich, die Denkansätze möglicherweise nicht.

Die Systematische Heuristik kann für den Anwender eine Hilfestellung bedeuten, um auch außerhalb der üblichen verstandesmäßigen Rationalität unter Zeit-und Handlungsdruck noch leistungsfähig zu sein.

Der Ansatz der SH, das problemlösende Denken der Ingenieurtätigkeit zu qualifizieren, könnte auch zielführend sein, um die Nutzung von Heuristiken in der heutigern komplexen Leistungsgesellschaft  mit ihrer IT-Orientierung weiter zu entwickeln. Die 'Transformation' der methodischen und ethischen Handlungsprinzipien des klassischen Ingenieuerwesens in die Welt der IT-Spezialisten ist bereits mehrfach erfolgreich angedacht worden.

Diese Entwicklung sollte aufgegriffen werden, und einerseits  der aktuelle Mangel an Wissen zu Aufbau,  Charakter und Leistungsfähigkeit von Heuristiken (man frage in der heutigen Studentengeneration nach dem Begriff Heuristik !), als auch andererseits die ungenügende theoretische und praktische Behandlung und Durchdringung des gesamten Wissensbereiches beseitigt werden.

Beispielsweise geht es um den  während der Entwicklung des Wissensgebietes der Heuristik mehrfach als Synonym für Heuristische Regeln benutzten Passus "Faustregel". Damit sollte ursprünglich auf eine verständliche Weise vermittelt werden, dass die Grundlage einer heuristisch determinierten Arbeitsweise vor allem die effektive Nutzung von Erfah-rungswissen ist. Dass es sich dabei nur um ein Synonym für einen der Aspekte der Anwendung von Heuristiken handelt, ging schon bald verloren, so dass man heute in vielen Veröffentlichungen und Enzyklopädien die Anwendung von Heuristiken einfach auf diesen Aspekt reduziert versteht und sie daher als 'unwissenschaftlich' und in der Praxis nicht brauchbar, brandmarkt.

Andererseits sind heuristische Arbeitsweisen unerläßlich, um einige für die heutige Gesell-schaft substanzielle Systemlösungen zu realisieren. Die bisherige Einschränkung des Begriffes muss daher baldmöglichst revidiert werden.

Die Ideen der Systematischen Heuristik - aufgearbeitet und den heutigen Nutzungs-bedingungen einer methodischen Handlungsunterstützung für das strukturierte Denken im Internetzeitalter angepasst -, könnten hier Wesentliches leisten.

TRIZ wiederum, sollte sich aus seiner unter den  gesellschaftlichen Bedingungen in der Sowjetunion entstanden Rolle als eigenständiges Wissensgebiet befreien und sich als Mitglied der großen Familie der Heuristiken begreifen. Damit erschließen sich vielfältige neue Impulse aus dem Erfahrungswissen anderer Anwendungsgebiete, die für eine Weiterentwicklung des kreativen Problemlösens außerordentlich wichtig sind. So kann beispielsweise der in der heutigen  IT-Gesellschaft logische Trend "Kreativität auf den Rechner zu bringen", der inzwischen auch TRIZ erfasst hat, nur richtig eingeschätzt  und aufgegriffen werden, wenn man für diese Theorie den Charakter einer Metaheuristik akzeptiert.

Der Focus auf das Erfinden ist ein weiteres der wesentlichen Hindernisse, warum die Innovationsmethodik TRIZ heute vielfach als Außenseiter betrachtet wird. Vielen ist noch nicht bewusst, dass die Bedeutung des Entwickelns von Patenten als kreatives Ziel innovativen Denkens, in der heutigen Gesellschaft stark an Bedeutung verloren hat. Einerseits sind mafiöse Strukturen auf dem Vormarsch, die das Patentrecht benutzen, um sich Vorteile im Markt zu Ungunsten Anderer zu verschaffen, andererseits können disruptive, also grundsätzlich neue Erfindungen und Problemlösungen heute fast nur noch kollektiv erzielt werden, was eine veränderte Haltung zu schutzwürdigem Wissen erzeugt hat.

D. Skrobotz

Dez. 2016/ Feb. 2018

 

 

Fortsetzung der Seite „Angebote“:

 

 

problematik an. Bild 3.1.1. Übersicht und Grobstrukturierung der 35 Kreas aus [St1]

 

 

 

 

TRIZ und systematische Heuristik (SH)

in der heutigen komplexen Gesellschaft

 

von D. Skrobotz

(zum Autor siehe bei www.kreativitaet4punkt0.de)

 

Heuristiken beschäftigen die Wissenschaft schon seit Jahrhunderten. Sie spielten im gesellschaftlichen Leben aber lange Zeit nur eine geringe Rolle, weil man sie meist den intuitiven Denkprozessen von Erfindern als Ausnahmetalenten zuordnete. Erst in den letzten Jahrzehnten ist durch eine Vielzahl von Forschungen und einer inzwischen merklichen Anwendung in der Praxis klar geworden, daß es sich nicht nur um einen Spezialfall von Kreativität, sondern um tägliches problemlösendes Denken in allen Schichten der Gesellschaft handelt.

13.006.2019

Nachfolgend wird

    ►   die o. g. „Argumentation/Studie" hier komplett wiedergegeben

Die gezogenen Schlussfolgerung und ausgewählte Antworten  werden vorstehend vorgestellt. „Studie“ oder bescheidener „Argumentation“:

'Jugendliche & Kreativitätstechniken' oder „Wie kommen Jugendliche zu Kreativitätstechniken?“

Bevor eine Aussage zur Überschrift versucht wird, soll erst die Frage geprüft werden:

0. „Brauchen sie überhaupt Kreativitätstechniken (KT)?“

Junge sind doch an sich Dank des von Ihnen bevorzugten „Trail und error“ durchaus recht kreativ und gehen oft völlig neue Wege, auch mit Erfolg - sogar auf dem bei vielen von ihnen nicht so beliebten naturwissenschaftlich-technischen Gebieten. So gibt es jedes Jahr Preisträger bei „Jungend forscht“ und in internationalen Olympiaden.

Also soweit so gut, aber ein immer größerer Anteil der nachwachsenden Generationen will und soll studieren, nicht nur die schon als „Genie“ vorgeprägten. In den intelligenzintensiven Branchen liegt die Zukunft Deutschlands, denn die meisten anderen Branchen sind – außer Dienstleistungen – schon zu großen Teilen verlagert.

Ein zunehmender Anteil von Jobs in diesen Zukunftsbranchen erfordert sicher mehr Innovationen, diese benötigen folglich als Voraussetzung (immer) mehr Kreativität und die wächst aller Wahrscheinlichkeit in diesem/r höheren Maße und Masse nicht von alleine heran und nur Trail and error reicht wohl doch nicht aus. Da könnten und müssen wohl auch KT – als wirksamste Möglichkeit der Lehrbarkeit und Förderung der Kreativitätsnutzung angesehen – helfen beim Lösen der Probleme für Innovationen. Damit hieße die Antwort vorerst: ja!

1. Aber warum Jugendliche?

Die haben doch noch gar keine Probleme zu lösen! Solange sie in der langwierigen Ausbildung sind, bekommen sie ja fast nur Aufgaben oder Pseudo-Probleme gestellt, deren Lösungsweg oder Lösungen bekannt sind. Also keine Probleme, für die im Unterschied zu Aufgaben der Lösungsweg nicht hinreichend bekannt ist und für die evtl. KT helfen könnten. Die Alternative‚ tatsächliche Probleme zur Lösung zu stellen’ können die Ausbildungssys­teme i. d. R. nicht leisten – aus Kapazitäts- und auch inhaltlichen Gründen.

Als Muster wie’s gehen könnte, müssen die Möglichkeiten z. B. des „Jugend forscht“ reichen. Sie erfassen aber nur einen sehr kleinen (elitären) Teil der Jugendlichen. Damit bleibt für den Rest der Verweis auf „später“! --> Dann gibt’s nur die Weiterbildung, denn in fast keiner Disziplin wird zu KT ausgebildet, wenn hier einschränkend von den künstlerischen Richtungen abgesehen wird, die sich gern mit Kreativität identifizieren [1] , aber auch kaum KT dazu anbieten.

Damit bestände die praktische Antwort also: sie brauchen vorerst keine KT, außer vielleicht bei o. g. Mustern!

Bevor das hinterfragt wird, erst zu dem vertröstenden „Später“, also i. d. R. zur Weiterbil­dung. Da gibt es tatsächlich sehr viel Angebote zu dem Problemkreis KT bzw. Kreativität.

Diese lassen sich grob einteilen

a) in relativ gründliche Seminare, Workshops u. ä. von 1 ... 2 bis 5 Tagewerke mit ca. 200 bis 2500 € Gebühren pro Teilnehmer  – z. T. sogar mit echten Übungen in relativ kleinen Gruppen. Für einen Jugendlichen ist das praktisch außerhalb der Realität. Selten werden diese Möglichkeiten innerhalb von Unternehmen angeboten und noch seltener (aus vielen Gründen) dort realisiert und nicht für Jugendliche.

b) Eine andere Gruppe sind die Angebote (meist als Literatur), die in wenigen Stunden gar in 30 Minuten zur Kreativität wichtiges zu vermitteln versprechen. Sie greifen dann meist eine oder einige Ideengewinnungsmethode(n) auf, die oft nur der Anregung der Fantasie dienen. So etwas geht in dieser Zeiteinheit, ist nicht unbedingt falsch, geht aber an der tatsächlichen Problematik der Kreativitätsentwicklung sehr weit vorbei. Es ist als bringe man einem in der Wüste Verirrten bei, schneller in irgend eine Richtung zu laufen, statt erst zu bestimmen, wo die rettende Oase liegen könnte, um dann schnell dort hin zugelangen.

Die Grundvorausset­zung für jede sinnvolle kreative Leistung ist, das richtige Ziel zu bestimmen und das möglichst richtig zu tun. Dieses Analysieren ist zwar nötig und mehr die Mühe der Ebene – eben nicht so attraktiv, wie Fantasie fließen zu lassen –, gibt aber diesem Ideenfluss erst den Sinn.

Denn wenn es um Kreativität geht, geht es eigentlich um Neues, bisher nicht Dagewe-senes und dann ist eigentlich verständlich, dass dieses Neue eigentlich unbekannt ist und damit eigentlich schwer zu bestimmen ist. Das ist das Dilemma jeder „echt kreativen Aufgabenstellung“.

Es könnten und müssen Analyse-Methoden helfen. Diese sind in dieser unverbindlichen Form der „30 Minuten / wenige Stunden-Variante“ kaum zu vermitteln.

Analysen leben von den konkreten Gegebenheiten, Widersprüchen und Restriktionen. Da­mit lösen solche Angebote, die z. B. nicht die Analysemethoden einbeziehen, auch nicht das auf „später“ vertröstete Defizit der Ausbildung.

Fazit des Prüfen der Relevanz des „Später“:

die angebotene Weiterbildung dieser Formen a) und b) lösen die Probleme der Vermittlung von KT an Jugendliche nicht hinreichend. Damit ist die vorläufige Antwort, sie bräuchten keine KT, außer evtl. für die „Muster“, noch dringlicher zu hinterfragen!

 2. Brauchen Jugendliche wirklich keine KT?

Aktuell bedeutungsvoll sind für dieses Hinterfragen immer mehr Ergebnisse der Forschung {z.B. Entwicklungsneurologen, sagen schon für Kinder aus „..dass das Gehirn so wird, wie man es benutzt...“ [H1] oder [S1, S. 117] „... dass die Lerngeschwindigkeit ... im Laufe des Lebens abnimmt. Besonders wichtig ist hierbei, dass diese Abnahme nicht erst die 70-jährigen, sondern die 17-Jährigen betrifft ...“}, der Experimente mit besonderen Schulformen u. a. m., die nahele­gen, Jugendliche und auch Kinder bewusst an die Kreativität heranzuführen, nicht nur in musischen Disziplinen. Wenn erstes Zitat zutrifft, ist das dringlich erforderlich!

Und nicht nur für Frühreife oder kleine „Genies“, sondern im Interesse der Zukunfts-fähigkeit des Landes breit für alle Ausbildungswilligen.

Dabei können KT grundsätzlich ganz entscheidend eine geeignete Ausgangsbasis sein.

Also wäre o. g. Antwort zu korrigieren: Jugendliche und auch Kinder müssten bewusst an Kreativi­tätsentwicklung frühzeitig herangeführt werden. Geeignet dazu sind offensichtlich KT – sie sind die z. Z. dominierende, lehrbare Art der Ausbildung zur Lösung kreativer Problemstellungen.

 

Diese Forderung findet wahrscheinlich viele Unterstützer, so z. B. die renommierte DABEI („..dass es eine Reihe von Missständen und Fehlentwicklungen auf der Bildungs-, Erfindungs- und Innovationsebene ... zu überwinden gibt ... und daraus resultierenden langfristigen Schädigungen des Gemeinwesen ...“ [D1, S. 1]) .

Eine praktische Umsetzung müsste aber mit einem Aber beginnen. Denn die Lehrenden dafür sind kaum vorhanden bzw. selbst kaum ausgebildet. Auch für sie gilt, der hohe Aufwand ihrer Qualifizierung gerade für die erfolgreichsten KT ist kaum finanzierbar, wenn schon vom Zeitaufwand dafür abgesehen wird. Ebenso ist die vorhandene Kapazität zur Ausbildung der Lehrenden real dank ‚fehlender Nachfrage’ zu gering vorhanden, so das nur eine „Elite“ ausgebildet werden könnte, wenn von einer nicht so wirksamen Selbst­qualifikation (für das Niveau der Gruppe a) durch die vielfältige Literatur abgesehen wird. Somit wäre der Kreis geschlossen und der vorhandene Zustand wäre zementiert!

 Sieht man sich die gesellschaftlich Praxis zu dieser Situation an, wird bestätigt, was landauf landab mehr oder weniger klar bemängelt wird, aber die DABEI deutlich benennt „... seitens der Meinungsbildner aus Wirtschaft und Politik ist ... wenig Interesse an der Aufklärung ... dieses Zusammenhang vorhanden [D1, S. 1]. Wenn Jugendliche einerseits in der Ausbildung prak­tisch kaum KT brauchen und andererseits für eine breite Qualifizierung sowieso keine ausreichenden Voraussetzungen seitens der Ausbilderkapazität vorhanden sind, passt sich da das Streichen der SIGNO-Förderung von Jugenderfinderclubs ab 2012 nur dem generellen Zustand der bemängelten gesellschaftlicher Praxis an?

 Leider ja, mindesten bestätigt es das Zitat aus D1! Aber es ist strenger zu beurteilen. Aus gegebenen Anlass hatte der Autor mit den ca. 100 SIGNO-Jugendclubs Deutschland Kontakt auf genommen und mit den ca. 15 seines näheren Einzugsbereiches sich versucht zu vereinbaren. Kurz: ohne die ab 2012 gestrichene ca. 1500 €/a (eigentlich lächerliche) Förderung sind diese Clubs in 2012 alle tot, d. h. sie arbeiteten nicht mehr. Ohne die 1500 € Grundfinanzierung fehlt einfach eine Basis für die ehrenamtliche Tätigkeiten. Dabei waren diese Jugendclubs, die aus Begeisterung für diese Arbeit mit Jugendlichen von dafür i d. R. gut geeigneten und qualifizierten, erfahrenen Betreuern „betrieben“ wurden, besonders wertvoll. Nicht nur weil sie auch Muster für das gezielte Befassen mit Kreativität für Jugendliche im vorn benannten Sinne sind, sondern auch, weil sie oft nicht an „obliga­torische Einrichtung“ gebunden waren. Damit hatten sie zusätzlich die Chance die freien Interessenten aufzusammeln und zu qualifizieren. Sie hätten auch weiter als Muster für eine breite Qualifizierung dienen und Anlaufstützpunkte sein können z. B. für Selbstqualifizierte. Das ist nun vorbei, die „lächerlichen“ 150000 €/a für die 100 Clubs in Deutschland helfen jetzt, die Banken zu sanieren. Ist ja auch nicht schlecht oder? 

3. Problemlösung im bestehenden Ausbildungssystem und Stufung der Anforderungen

 Wir haben es wahrlich deutlich genug erlebt, wenn wir aus der eigenen jungen Generation solche entwickeln wollen, die später einmal Spitzenleistungen erbringen können, geht das nur, wenn frühzeitig aus einer breiten Qualifizie rung die Talente heranwachsen können. Das ist im Sport so, in den musischen Disziplinen und wird auch auf wissenschaftlich-technischem Gebiet nicht anders sein, evtl. nur etwas schwieriger.

Außerhalb des beste­henden Ausbildungsystem kann sich der Autor in nötiger Breite weder kurz- noch mittelfristig eine Problemlösung vorstellen, sondern nur eine, die  das vorhandene Ausbildungssystem leistet. Dabei sollten wir noch froh sein, wenn sich unsere junge Generation überhaupt solchen Ansprüchen stellt [W1]. Daraus folgernd ist mittelfristig eine Problemlösung im bestehenden System zu fordern.

Das ist aus Sicht des Autors nur dann umsetzbar, wenn es gelingt, den Auf-wand für die Qualifizierung der Vermittler, die Vermittlung selbst und für das Aneignen von KT deutlich zu senken, so wirklich eine nötige Breite zu errei-chen. Geringer Lernaufwand käme auch der Mentalität der „Generation Y“ entgegen. Natürlich wäre es eine 'Light-Lösung', ein Startwissen oder –gefühl, wie z. B. für Nichtprofis im Fach Musik oder Geografie ist.

Wenn man sich aber die Kreativitätsliteratur zu Problemlösungsprozessen – also nicht die vor allem auf ‚Anregung der Fantasie’ orientierten Varianten  – ansieht, dann dominieren anspruchsvolle Programme und ähnliche Ansätze. Ohne hohen Aufwand zu leisten, wird fast nichts auf diesem ja tatsächlich anspruchsvollen Gebiet angeboten.

 

Der Autor hatte bei dem Versuch, KT für Junge zu formulieren [S2] lange selbst nur anspruchsvolle Lösungen als machbar angesehen, dann aber bereits dort eine Stufung der KT nach ihrem Lehr-, Lern- und Anwendungsaufwand und der Trächtigkeit ihrer jeweiligen Ergebnisebene vorgenommen [S2, S. 7f.].

Danach sind nicht die komplizierten und anspruchsvollen KT für Junge günstig, sondern die für sehr viele Situationen meist ausreichenden deutlich einfacheren mit geringem Einarbeitungsaufwand. Selbst für die (einsamen) Pionier- und Spitzenleistungen oder Generationserfindungen außerge­wöhnlichen Anspruchs, die sehr selten sind, gibt es keine hinreichende Korrelation dafür, dass sie besonders ausgefallene Kreativitäts-techniken benötigen [S2, s. S. 203]. Die „normal anspruchsvollen“ Lösungen, als „Standardanwendungen“ benannt, bestimmen insgesamt das kreative Niveau wirkungsvoll.

Folglich sollte für Junge versucht werden, solche Unterstützung anzubieten, die relativ geringe Voraussetzungen erfordert und z.B. ohne gesonderte Trainingsstrecken dafür auskommt. Eine gewisse Lösung dieser geforderten Problemlösung könnte also bei den oder der ‚einfachen/sten’ Stufen (z. B. Stufe 1) liegen, die folgend kurz benannt werden.

Folglich sollte für Junge versucht werden, solche Unterstützung anzubieten, die relativ geringe Voraussetzungen erfordert und z.B. ohne gesonderte Trainingsstrecken dafür auskommt. Eine gewisse Lösung dieser geforderten Problemlösung könnte also bei den oder der ‚einfachen/sten’ Stufen (z. B. Stufe 1) liegen, die folgend kurz benannt werden.

Einer Stufe 1 können solche KT zugeordnet werden, wie sie beispielsweise die dort so genannten

Kreas“ des „Bonsai“-System der Kreativitätstechniken 

sind [S2, S. 31f.]. Danach ist ein Krea ist ein ‚Denkwerkzeug’, das durch eine Ikone (Piktogramm) und mit einem Kurzsatz als Handlungsanleitung benannt zum Anwenden aufgerufen wird. So kann das Krea als „Element von Strategien“ und/oder als „Handlungsanleitung im Konkreten“ dienen. Kreas sollen kurz, einfach und universell anwendbar sein, so ähnlich wie das mit ‚Sprichwörtern’ ist, die man eigentlich überall gebrauchen kann. So einfach aus dem Kopf heraus, beim Lösen gedanklicher Problemstellungen, aber auch im normalen Leben.

Im Unterschied zu solchen Sprichwörtern gilt als Spezifik der ‚Kreas’, dass sie besonders statt allgemeiner, oft zutreffender Lebensweisheiten bei ihrer Nutzung speziell das Kreative fördern.

 

Sie können als „elementare“ KT angesehen werden. Für eine praktische Relevanz sollten sie eine gewisse Strukturierung gemäß den Erfordernissen des Problemlösungsprozesse aufweisen, was auch für die KT der Stufe 2 zutrifft. Damit steigt die Wertigkeit über die Einzel­anwendung hin zu einer in Richtung einer Systemlösung. Es sind auch andere Lösungen für eine Stufe 1 denkbar.

Gängig zu Kreativitätstechniken sind die als Stufe 2 bezeichneten allgemein bekannten „Standard-Anwendungen der KT“ wie verschiedene Analysemethoden, Brainstorming /Ideenkonferenzen, Mind Mapping, Analogie-, Befragungs-, und Kombinationsmethoden, Synektik, Feldforschung u. a. m. sowie die der Stufe 3 – als „Komplexe Ansätze für den Problemlösungsprozess“ eingestuft: wie ARIZ, WOIS; TRIZ, Systematische Heuristik, Kreativ-Morphologie oder konstruktions-wissenschaftlichen Methodiken. Deren Anwendung kommt i. d. R. nicht ohne Training, Seminare oder relativ umfangreiche Anleitungshand­lungen wie Lehre, Vorlesungen usw. aus.  Beide (Stufe 2 und 3) sind für die Light-Lösung zu umfangreich.

4. Vorschlag zur (mittelfristigen) Problemlösung einer Light-Einführung von KT

Wenn man sich als Einstieg einer breit anwendbaren Förderung der Anwendung von KT zu wenden will, ist mit dem als Beispiel für diese Stufe 1 das vorliegenden Bonsai-System mit ca. 35 Kreas eine erste Variante gefunden (s. Bild 1). Eingeteilt in vier entscheidende Gruppen:

1. Ziel focusieren / Qualität der Aufgabenstellung

2. Gesichtsfeld erweitern [Möglichkeiten aufzeigen/Barriere Abbau];

3. Spezifische Kreativität erhöhen und

4. „Weg“-Optimierung einer Kreativität fördernden Arbeitsweise)

deckt sie wichtige Teile der Kreativitätsförderung für den Problemlösungsprozess ab.

Vgl.Bild 1:Kreas - Bonsai-System der Kreativitätstechniken* (nach Stanke: "Handlungsorientierte Kreativitätsetechniken) s. bei Angebote/ Kreas.

Entscheidend für die gesuchte Problemlösung für Jugendliche ist: Dieses Bonsai-System kann einschließlich einer motivierenden Einführung in 1,5 h auch für Jugendliche nachvollziehbar vorgestellt werden. Im Buch [2] sind nur 26 Seiten zur ausführ­lichen Darstellung aller 35 Kreas nötig {samt Ikone, Handlungs­aussage, „Inhalts“-Erläuterung, Beispielen, Kommentar und Nutzungshinweisen}, die für eine eigenständige Anwendung ausreichen können. Nachlesen ist ohne weitere Anleitung gut möglich oder eine weitere Stunde stellt diese Kreas einzeln vor. Bild 1 zeigt die Struktur und die Übersicht zu dieser Variante der Stufe 1.

Der Erinnerungswert der einzelnen Krea’s ist hoch, so dass es bald gelingen kann, sie aus dem Kopf zur Anwendung aufzurufen. Das dargestellte Bild wird wirksam dabei unterstützen. Auch für den Lehrenden/Betreuer ist der vorgenannte Aufwand kaum wesentlich höher. Mit der Anwendung bei den unterschiedlichsten Situationen kann so dem Jugendlichen von dem Betreuer bei geeigneten Arbeiten der praktische Einstieg in die KT erlebbar gemacht werden.

Mit diesen Bedingungen einer deutlichen Aufwandsenkung wäre es vorstellbar, es mittelfristig in den vorhandenen Bildungssystemen breiter zur Anwendung zu bringen und auch geeignete Ausbildung der Lehrenden zu realisieren.

Vorteilhafterweise kann darauf aufbauend für „höhere“ Ansprüche besser vorbereitet der Übergang auf die anderen Stufen (2 und 3) und einfacher gelingen.

5. Schlussfolgerung

Mit einer

•    einfachen, relativ lockeren System-Variante von elementaren KT,

•    die aber durchaus effizient und erweiterbar ist,

•    sich am allgemeinen Problemlösungsprozess z.B. mit der Analysephase orientiert,

•    genügend konkrete Anregungselemente bietet,

•    sich über eine allgemeine Fantasie-Anregung hinaus für den

ernsten naturwissenschaftlich-technischen Hintergrund und die industrielle Praxis eignet, und

•  dabei eine drastischen Senkung des Lehr-, Lern- und Vermittlungsaufwandes ermöglicht,

könnte künftig eine Problemlösung für das bestehende Ausbildungssystem in Deutschland zur Vermittlung von KT für Jugendliche gefunden werden.

Die praktische Umsetzung und Anwendung ist seitens der nötigen Voraussetzungen eigentlich dann nur noch an den Willen der Beteiligten gebunden.

Mit der Anwendung werden Adaption und Weiterentwicklung schrittweise erfolgen zu einer optimierten Lösung.

 

Was bedeutet es, so eine Lösung zunutzen? Nun, das allgemeine Niveau bezüglich kreativer Arbeitsweise wird deutlich angehoben. Sie kann dank ihrer elementaren Einfachheit bei jeder Aufgabenstellung mit Nutzen angewendet und unterlegt werden, nicht nur bei erfindungsmethodischen Problemstellungen wie es jetzt mit den anspruchsvollen KT i. d. R. ist.

Auch z. B. in den Wirtschaftswissenschaften oder in Handwerksbereichen erscheint sie anwendbar. Das sind ein ökonomisch bedeutender Vorteil für die jeweilige Branche und insgesamt ein deutlicher Fortschritt in der Anwenderbreite, der mit dem dadurch insgesamt steigenden Niveau der Kreativitätsnutung auch für die „gehobenen“ KT den Boden aufbereitet.

 

Denn „Innovationen“ auf der Basis von „Neuen“ sind nicht nur für technische Erfindungen gefragt, sondern in den intelligenzintensiven Bereichen grundsätzlich. Dabei werden auch die KT der Stufe 1, z.B. in der Form der Kreas und des Bonsai-Systems helfen können. 

Mit einer deutlich breiteren Anwendung von KT wird für die bisher wenig mit erfindungs-metho­dischen bzw. komplexen Lösungen für den Problemlösungsprozess durchdrungen Diszipli­nen eine stärkere Forderung nach disziplinspezifischen Angeboten für eine ähnliche Durch­dringung mit KT einhergehen, für ein Niveau, wie es in der Konstruktionswissenschaft schon breit erfolgt und gängig in der Anwendung ist.

Das macht die „Komplexe Ansätze für den Problemlösungsprozess“ der Stufe 3 nicht überflüssig, sondern sie werden dann etwas vorbereiterer genutzt und etwas flexibler angewendet werden als langfristige Auswirkung.

6. Literatur und Quellen: 

D1       Deutsche Aktionsgemeinschaft Bildung – Erfindung – Innovation): Jahresbrief 2012 Köln: DABEI e.V. 2012

H1       Hüther, G. Hauser, U.: „Jedes Kind ist hochbegabt“ München: Hauser 2012

S1       Spitzer, M.: Medizin für die Bildung. Ein Weg aus der Krise. Heidelberg: Spectrum Akademieverlag 2010

S2       Stanke, K.: “Handlungsorientierte Kreativitätstechniken. Für Junge, Einsteiger & Profis mit Bonsai-System der Kreativitätstechniken”, Berlin: Trafo-Verlag2011, zahlr. Abb. und Tabellen, 268 S., ISBN 978-3-86464-001-8

W1       Weiguny, B.: Work-Live-Balance. Generation Weichei? Frankfurt: FAZ 2012

 

Die Hauptaussage der Antworten: Ein löblicher Ansatz, aber das aktuelle Ausbildungssystem in Deutschland ist dafür nicht geeignet!