Kreativität geht alle an - damit ist keiner verantwortlich??

Kreativität-Techniken (KT) /kreativitaet-techniken zu KT-Buch + pK (problemlösendeKreativität]

www.kreativtät-techniken.de

 

 

Site

Anwender-Info‘s zu KT und zum Buch

 

Bevor jetzt einzelne Beiträge folgen, soll erst einmal grob zu den zwei Begriffen der Überschrift "handlungsorientiert" und "problemlösend" Stellung genommen werden.

Der Begriff "problemlösend" hat sich erst in den letzten Jahren ab 2012 mit dem Buch von Heister (s. www.problemlösendekreativität.de), dem Beitrag zum Begriff in der Wikipedia und mit der Homepage www.problemlösendekreativität.de" verfestigt und durchgesetzt. Er ist - wie bei letzterer und der nachfolgend hier im ersten Beitrag "Statemente" [der von dort übernommen wird], dargestellt wird - zwar nicht neu (vgl. dazu die "Historie der problem-lösenden Kreativität"), aber war bisher wenig gängig. Folglich hat das Buch "Handlungs-orientierte Kreativitätstechniken" diesen Begriff noch nicht genutzt. Das Buch ist aber inhaltlich voll auf problemlösende Kreativität ausgerichtet - was mit der "Handlungs-orientierung" und deren vorzugsweise angestrebte  Anwendung in Wissenschaft, Technik und der Wirtschaft zum Ausdruck gebracht werden sollte.

Beide o. g. Begriffe sollen also  ca. den gleichen Sachverhalt treffen.  

Dazu erfolgen im "Statement" weitere Ausführungen zu Kreativität, Alltags-, außergewöhn-licher und problemlösender Kreativität - also hoch problematische Themen.

Der Beitrag "Statement" wird nachfolgend wieder gegeben. Siehe dazu auch bei www.problemlösendekreativität.de. Das unten dazu Hochgeladene basiert auf den Arbeiten der Autoren dieser Webseite.

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Berichte/Artikel zu Kreativität + Kreativitätstechniken - 

 für Theorie und Praxis/Anwendung

 Ein Kundendienst für Nutzer des Webspace, um sich näher zu nach m. M. wichtigen Themen zu informieren.

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Hier werden in unregelmäßiger Folge aus Sicht der Webpacebetreiber wichtige Beiträge zu Kreativität, Kreativitätstechniken, ihrer Anwendung, Erfahrungsberichte einschlägiger Art, zu bemerkenswerter Literatur oder anderen inhaltlich für die 'Handlungsorientierten Kreativitätstechniken' bedeutsamen Beiträge wiedergeben.

Natürlich gelten für diese Beiträge - auch wenn sie von anderen Autoren stammen -, die Einschränkungen im Impressum und jede Haftung für Inhalt und dessen Richtigkeit sind ausgeschlossen.

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z. Z. sind hier wiedergegeben:

    0. Statement zu Kreativität, Alltags-, außergewöhnlicher und problemlö-

        sener Kreativität. - erweiterte Fassung vom Dez. 2015 Fortsetzung auf Seite

           KT-Buch-Spezifik, dort am Ende

   1. Johannes Müller - der Begründer der Systematischen Heuristik.  von 2014

       - siehe Extraseite: Gast Abtlg. Heuristik

   2. Problemlösende Kreativität mit System.   von 2014

   3. Vor der Idee(nfindung) steht die „richtige“ Aufgabenstellung (zu finden).

      von Januar 2015 – Fortsetzung auf Fortsetzungsseite am Ende derWebsite

   4. Rezension zum Buch des Nobelpreisträger Kahneman: "Schnelles Denken,

     langsames Denken", was einiges zum Grundverständnis der Arbeitsweise 

     unseres Gehirn interessant darstellt. auf Fortsetzungsseite am Ende derWebsite 

   5. Verwiesen wird - um Doppelarbeit zu vermeiden - auf die Rezensionen in  www.problemlösendekreativität.de/rezensionen  so zu Lexikon der kreativität‘, der ohne das Buch von Suter (s. dort) extrem einseitig ist, auf die Rezension zur 4. vollständig überarbeiteten Auflage von Zobels ‚TRIZ FÜR ALLE‘ und auf den umfangreichen Beitrag von Koch, P.

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0. Statement des Webspace www.problemlösendekreativität zu "problemlösender Kreativtät"

Entwurf der erweiterten Fassung von Klaus Stanke – 31.12.2015- s. dort

Unser Statement zu "problemlösende Kreativität"

Kreativität,

außergewöhnliche und

problemlösende Kreativität.

 

Das Bild von KPH zeigt hier drei Früchte - auch solch unterschiedlichen Inhalts???

 Kreativität hat für die Gesellschaft eine überragende Bedeutung. „Es besteht kaum bei jemanden Zweifel darüber, dass unsere Kulturleistungen und die Errungenschaften des modernen Lebens Ergebnisse höchst intellektueller und kreativer Begabungen sind. ... Jedes Gemeinwesen sollte deshalb bestrebt sein, solche Begabungen aufzuspüren und sie in eine positive Richtung zu steuern, damit sie nutzbringend eingesetzt werden können.“ [He 1, S. 88].

Nur mit neuen Lösungen und Innovationen lassen sich Zukunftsaufgaben wie Nahrungs- und Energieversorgung der ganzen Welt, Umweltstabilisierung u. a. bewältigen. Immer mehr hängt die Leistungsfähigkeit weltweit von den kreativen Fähigkeiten ab. Da diese sich nicht ohne „Zutun“ von selbst im genügenden Maße entwickeln und nutzen lassen, ist einfach viel mehr zur Förderung von Kreativität zu leisten. Nur so kann es gelingen, dass weiter genügend Lösungen mit hohem Anspruch bereitstehen, um diese als Innovationen umsetzen zu können. Das bedingt, dem Verständnis der Kreativität mehr Aufmerksamkeit zu geben, um sie zielgerichtet fördern zu können.

Vgl. dazu auch Mehlhorn, J.: Vorwort zum Jahrbuch der Kreativität 2014 [Me 1, S. 5-9].

Mit diesem Statement soll ein konstruktiver Blick auf die Problemsituationen zu oben genannten drei Begriffen helfen, diese etwas näher aufzuschließen. So soll beigetragen werden, für die hoch wirksamen Formen der außergewöhnlichen und problemlösenden Kreativität die Kreativitätsförderung und -anwendung zu verstärken.

1. Zu Definitionen zur Kreativität

In der Wikipedia [Wiki 3] findet sich zum Stichwort „Kreativität“ eine Definition nach Guil­ford: „Guilford bezeichnet als kreativ jede neue, noch nicht da gewesene, von wenigen Men­schen gedachte und effektive Methode {vgl. zu ‚Methode’ nachfolgenden Absatz}, ein Pro­blem zu lösen beziehungsweise die Miteinbeziehung von Faktoren wie Problemsensitivität, Ideenflüssigkeit, Flexibilität und Originalität. Demzufolge wäre Kreativität die zeitnahe Lösung (Flexibilität) für ein Problem mit ungewöhnlichen, vorher nicht gedachten Mitteln (Originalität) und mehreren Möglichkeiten der Problemlösung (Ideenflüssigkeit), die für das Individuum vor der Problemlösung in irgendeiner Weise nicht denkbar ist (Problemsen-sitivität)“.

Diese Definition der Kreativität ist sicher eine von vielen. Der dort gewählte Begriff ‚Methode’ für kreativ’ trifft u. M. nicht genügend zu, besser wäre evtl. ‚Lösung für ein Problem’ – also ergebnisorientiert. Hätte der prozessuale Aspekt betont werden sollen – was sicher nicht so treffend ist, aber durch den sehr handlungsorientierten Begriff „Methode“ erfolgt ist – sollten die neutraleren Begriffe wie ‚Art’ oder ‚Vorgehensweise’ den doch strenger besetzten Begriff Methode besser ersetzen. Denn erst nach Abschluss des kreativen Prozesses – wenn es richtig ist, dass ein kreatives Ergebnis als solches erst eingeschätzt werden kann, wenn es (mindestens in groben Zügen) vorliegt - kann hinreichend beurteilt werden, ob das Ergebnis tatsächlich im benannten Sinne kreativ sei. Als weiteres Bedenken gegen den verwendeten Begriff ‚Methode’ kommt hinzu, dass ‚Methode’ doch den Vorzug gegenüber den möglichen Lösungen hat, das Invariante, das Allgemeine, das für viele Anwendungsfälle Nutzbare zu sein. Der Stein der Weisen wäre z. B. dann eine solche universelle Methode. Da aber keiner – auch nicht „wenige Menschen“ - über eine Methode (quasi gepachtet) verfügen, deren Anwendung zulässt, (alles oder viele) Probleme kreativ zu lösen, erscheint diese Konkretisierung als nötig. Vielleicht hat hier die künstlerisch-musische Kreativität einen Hintergrund geliefert, denn wenn wirklich jedes Bild von Picasso kreativ sei, dann könnte seine Malmethode tatsächlich die Kreative sein. Bei problemlösender Kreativität in Wissenschaft und Technik tritt das selbst bei Patentinhabern mit Tausenden Patenten nicht auf - und trifft es auch nicht zu.  

Etwas mehr aufklärend zum Begriff Kreativität wirkt a. a. O. die ergänzende Darlegung [Wiki 4]: „Aus Sicht der modernen Neurobiologie kann man Kreativität als: „Neuformation von Informationen“ definieren. Daraus ergeben sich praktische Konsequenzen. Um Informationen neu kombinieren und verarbeiten zu können, müssen sie neuronal gespeichert sein. Das heißt sie müssen durch Lernen im Gedächtnis vorhanden sein. Der kreative Funke kann nur das entzünden, was schon vorhanden ist. Kreativität im weitesten Sinn beruht auf der Fähigkeit, die Lücke zwischen nicht sinnvoll miteinander verbundenen oder logisch aufeinander bezogenen materiellen und nichtmateriellen Gegebenheiten durch Schaffung von Sinnbezügen (freie Assoziation) mit bereits Bekanntem und spielerischer Theoriebildung (Phantasie) auszufüllen. So gehören auch ungewohnte Kombinationen von bekannten Materialien oder die Durchbrechung der üblichen Verwendungsschemata von funktionsgebundenen Gebrauchsgegenständen im Spiel, beim Probehandeln und als Gedankenspiel wesentlich zur Kreativität“.

Und unter „Forschungsgeschichte der Kreativität“ wird dort [Wiki 4] zu Kreativität ausgeführt:

Guilford beschrieb das Wesen individueller Kreativität durch folgende grundlegende psychische Merkmale

Problemsensitivität (erkennen, dass und wo ein Problem besteht) 

Flüssigkeit (in kurzer Zeit viele Ideen hervorbringen)

Flexibilität (gewohnte Wege des Denkens verlassen; neue Sichtweisen entwickeln)

Redefinition (bekannte Objekte neu verwenden, improvisieren)

Elaboration (anpassen der Ideen an Realität)

· Originalität. ...

Nach Guilford ist Kreativität eine spezielle Form des Denkens.

Kreativität ist nicht einfaches „Produzieren“ von Ideen, sondern liegt erst dann vor, wenn die Ideen originell, neuartig, sinnvoll, problemspezifisch und nützlich sind bzw. einen Nutzen bzw. eine gewisse Verwertbarkeit erwarten lassen.

Was ‚kreativ’ ist, zeigt erst das Resultat!

Kreativität ist ein so ähnlich komplizierter Begriff wie „Gesundheit“. Gesundheit ist Abwesenheit von Krankheit. Aber was ist Krankheit? Für den einen etwas Unwohlsein, für den anderen Grund, eine Woche zu fehlen. Nur für die Krankenkasse, die Steuer, das Arbeits­amt u. ä. Einrichtungen gibt es starre Regeln. Die Menschen leben damit, dass sie im Kern, im Schwerpunkt des breiten Begriffs wissen, was Gesundheit ist. Und genau so reicht diese Vergleichserklärung für den Begriff ‚Kreativität’. Wir beschreiben deren Kern „durch das Ergebnis eines kreativen Prozesses, Neues hervorgebracht zu haben“. Eigentlich wissen wir somit erst hinterher, ob ein kreativer Prozess vorlag. Das genügt doch auch, denn oft ist schon die Absicht löblich!“ stellt [St 1, S.17] fest.

Kreativität kann praktikabel so beschrieben werden [St 1, S.17]: „... sollte ... versucht werden zu klären, was Kreativität eigentlich ist. Man kann sie auch mit Schöpfertum bezeichnen. Dieser deutsche Begriff bezieht vorteilhafter weise deutlicher den Mensch als Hervorbringer des Schöpferischen ein (aber wird z. B. in der Religion anders gebraucht und der Schöpfertumsbegriff ist auch darüber hinaus deutlich breiter in der Verwendung als Kreativität). Fremdworte – wie Kreativität – sind allerdings modern und lassen sich besser „einsortieren“, so z. B. von der kirchlichen Verwendung des Begriffs abgrenzen.

Kreativität kennzeichnet die Fähigkeit des Menschen, Neues, in gleicher Eigenart noch nicht Dagewesenes, hervorzubringen.

Fortsetung nach Button-Block

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Fortsetzung des Textes auf Site 12 (Fortsetzung-Anwender-Info‘s)

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld: Hier nun zum Komplex pK mit ausgewählten aktuellen Beiträgen zum Thema:
"Kreativitätstechniken (KT) - handlungsorientiert" bzw. KT der problemlösenden Kreativität (pK)

Zum nachfolgendem Bild und den Beiträgen:

 

Sicher geht es nicht so lebhaft zu wie bei diesem Konzert [Foto KPH]                              in einer Dresdner Kirchenruine, aber auch interessant und anregend sollen die folgenden Beiträge schon sein, die rund um die Thematik streuen und mach u. M. ausreichend informativ sind

Kreativität kennzeichnet die Fähigkeit des Menschen, Neues, in gleicher Eigenart noch nicht Dagewesenes, hervorzubringen.

Eigentlich könnte noch ergänzt werden: „was besser sei“. Aber was ist „besser“? Wer bestimmt das? Schon damit könnte der Definitionsstreit losgehen. Hinzu kommt z. B.: wenn etwas nachempfunden oder nacherfunden wird, ohne dass es dem so ‚Kreativen’ vorher bekannt war, dann liegt doch die gleiche schöpferische Leistung vor, oder? Wenigstens subjektiv (bezogen auf das Individuum), objektiv wohl nicht (bezogen auf das Wissens-, Fähigkeits- und Denkvermögen der Gesellschaft; bei einem Kunstwerk schon gar nicht). Aber was ist objektiv, wer bestimmt das?"

Es lassen sich je nach Autor viele weitere Begriffsfestlegungen oder Vorschläge finden. Die ideale Fassung ist bisher offensichtlich nicht dabei, auf die sich alle einigen könnten. Für den praktischen Prozess erscheint eine nach allem und allen abgestimmte Definition nicht als unbedingt nötig, wenn im Kern erfasst wird, was unter Kreativität zu verstehen ist.

Allerdings gibt Zobel [Z 2] aus seinem sehr breiten Fundus von Büchern zur Kreativität {s. Literaturliste oder einfach www.dietmar-zobel.de} eine knappe, aber sehr treffende Definition der Kreativität an, die das Phänomen anspruchsvoller Kreativität gut trifft:

Kreativität ist die Fähigkeit, aus Gegebenem ungewöhnliche Schlüsse zu ziehen und Ungewöhnliches schaffen zu können.

Er erläutert dazu weiter: Das „Gegebene“ ist das jedermann verfügbare Assoziations-material; es sind so zu sagen die „Bauelemente unserer Wirklichkeit“. Dazu gehört das konventionelle Wissen, die uns bekannten Stoffe und Objekte aller Art, unsere Kenntnisse von Energien, Verfahren, Vorrichtungen, die theoretischen Grundlagen bekannter Prozesse einschließlich der informationellen u. a. m.

Mit dieser Definition soll der kurze Exkurs zu „Kreativität“ abgeschlossen werden. Er klärt etwas zur Kreativität auf und macht deutlich, der ‚Stein des Weisen’ ist für eine Definition nicht nötig. Es reiche durchaus, sich mit diesen ausgewählten Aspekten identifizieren zu können, um auf dieser Basis sich dann den anderen Kategorien der Kreativität zu wenden zu können.

Fortsetzung des "Statement"  siehe nach Beitrag Nr. 4

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Beitrag 1. Johannes Müller- der Begründer der Systematischen Heuristik

   Beitrag steht jetzt auf der Extraseite "Gastseite Abtlg. Heuristik"
                                         

Das „Getriebe-Bild“

von KPH soll zeigen,

dass Müller von anfangan

die Verbindung zur Technik - konkret

zu den Konstruktionswissenschaftlern

sehr erfolgreich gesucht hat.

 

 

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Beitrag 2. Problemlösende Kreativität mit System

von  Dietmar Zobel

 Das Bild "Gelbrausch" von KPH gibt mir eine gute Empfindung

 zum Systembegriff.

 

Hochwertige kreative Lösungen im Bereich von Wissenschaft und Technik erforderten stets - und erfordern noch heute - Phantasie und Intuition. Allerdings sollte der Kreative nicht einfach „ins Blaue“ hinein arbeiten, sondern unbedingt die Möglichkeiten nutzen, die ihm von den modernen Kreativitäts-methoden eröffnet werden. Der Widerspruch zwischen den Begriffen „Intuition“ und „Systematisches Vorgehen“ erweist sich dann als nur scheinbarer Widerspruch. Viele Kreative wissen inzwischen, dass methodische Hilfen die Kreativität nicht etwa ausschalten, sondern sie vielmehr auf Erfolg versprechende Lösungen lenken.

So sind wir denn heute nicht mehr auf Zufälle oder den so genannten „göttlichen Funken“ angewiesen. In den letzten Jahrzehnten wurden beispielsweise die Methoden des Brainstorming, der Morphologie, der Bionik und der Synektik zu einem beachtlichen Stand entwickelt. Jedoch arbeiten diese in der Kreativitätsliteratur und den einschlägigen Seminaren bevorzugten Methoden nicht genügend systematisch. Das intuitive Element wird überbetont, und die Fülle der so erzeugten Ideen führt - insbesondere beim Brainstorming - zu einem neuen Problem: bin ich - auch nach Anwendung einschlägiger Bewertungsver-fahren - wirklich sicher, die allerbeste Idee für die weitere Bearbeitung ausgewählt zu haben?

Wünschenswert wäre demnach eine komplexe Methode, die - nach gründlicher Analyse der zu lösenden Aufgabe - nur wenige, dafür aber garantiert hochwertige, gewissermaßen vorgeprüfte, praxis-taugliche Ideen liefert.

Es gibt einen solchen Denkansatz, der verlässlich, gleichsam auf einem Leitstrahl, von der richtig gestellten Aufgabe zum annähernd idealen Resultat führt. Diese noch immer viel zu wenig bekannte Methode beruht auf dem „Algorithmus zur Lösung erfinderischer Aufgaben“ (ARIZ) nach G.S. Altschuller, von ihm weiter entwickelt als „Theorie zum Lösen erfinde-rischer Aufgaben“ (TRIZ). Dabei wird zunächst eine gründliche Stärken-Schwächen-Analyse des vorhandenen Systems vorgenommen, und zwar mit dem Ziel, den Kern des zu lösenden Problems herauszuarbeiten. Sodann wird das angestrebte Ideale Endresultat definiert. Es folgt die Formulierung der Widersprüche, die auf dem Wege zum Ideal zu überwinden sind. Schließlich werden verlässliche Lösungsstrategien (Prinzipien zum Lösen Technischer Widersprüche) eingesetzt. Entscheidend ist die Widerspruchsformulierung, denn eine jede - durch Optimieren nicht lösbare - hochwertige Entwicklungsaufgabe ist mit einer paradoxen Forderung verknüpft: etwas muss da und dennoch nicht da, heiß und zugleich kalt, offen und dennoch geschlossen sein (konventionelle Antwort: „Das geht nicht“ ). Über eine Matrix werden nach Altschuller dann die zur Lösung des zunächst unlösbar erscheinenden Widerspruchs tauglich erscheinenden Prinzipien ausgewählt. Jedes Prinzip ist mit vielen Beispielen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten belegt, extrahiert aus Zehntausenden von Patentschriften. Die kreative Tätigkeit des Erfinders besteht nun in der „Übersetzung“ eines geeigneten Beispiels zwecks Schaffung eines im eigenen Fachgebiet neuen, in anderen Gebieten aber durchaus nicht neuen Mittel-Zweck-Zusammenhanges.

Außer den Prinzipien zum Lösen Technischer Widersprüche verfügt die Methode noch über weitere verlässliche Strategien: Standards zum Lösen von Erfindungs­aufgaben, Physikalische Effekte, Stoff-Feld-Regeln, Separationsprinzipien zum Trennen bzw. Vereinigen einander anscheinend ausschließenden erfinderischen Forderungen. Inzwischen gibt es moderne Computerprogramme zum TRIZ-System, die sich jedoch erfahrungsgemäß nur nach Erlernen bzw. Verinnerlichen der zugrunde liegenden Denkweise effektiv nutzen lassen.

Wir erkennen, dass es sich offensichtlich nicht nur um eine Erfindungs- sondern um eine übergreifend gültige bzw. universell nutzbare Denkmethode handelt. Hauptziel ist das Vermeiden von - häufig faulen - Kompromissen: gewöhnlich wird an einer Kennziffer ein bisschen herumverbessert, wobei nicht selten andere - ebenfalls wichtige - Kennziffern auf Kosten der verbesserten Kennziffer auf der Strecke bleiben. Das Resultat wird dann mit dem positiv besetzten Wort „Optimierung“ schön geredet. Methodischer Kernpunkt von TRIZ ist deshalb das Widerspruchsdenken: es sichert, falls ein System weiß und schwarz zugleich zu sein hat, dass nicht etwa grau herauskommt. Wir erkennen, da es sich hier nicht um logische Widersprüche handelt, sehr deutlich die Nähe zur Hegelschen Dialektik (These, Antithese, Synthese). Dies wiederum erklärt die enorm anregende Wirkung einer derartigen Betrachtungsweise: viele Beispiele auf hohem (sinngemäß erfinderischem) Niveau finden sich in künstlerischen Darstellungen. Insbesondere gilt dies für Karikaturen. Deren Wirkung beruht geradezu auf der ungewöhnlichen Verknüpfung an sich ganz gewöhnlicher Sachverhalte, d.h. letztlich auf der Darstellung einer unkonventionellen Lösung dialektischer Widersprüche. Wir erkennen hier übrigens auch die Nähe zu ungewöhnlichen - und damit besonders wirksamen - Werbebotschaften. Im Management dürften über das Konventionelle hinausgehende, wirklich neue Lösungen wohl ebenfalls nur über die TRIZ-Strategie zugänglich sein.

Die Altschuller-Denkweise wurde in den letzten Jahren von vielen Autoren weiter entwickelt. Stellvertretend genant seien Terninko, Zusman und Zlotin, Linde und Hill, Herb, Herb und Kohnhauser, Livotov und Petrov, Orloff sowie Zobel. Letzterer hat inzwischen eine Reihe von Vereinfachungen, Ergänzungen, Erweiterungen, Veränderungen und Vorschlägen zur Verbesserung der Methodik eingebracht. Sie seien hier kurz zusammengefasst:

•   Aufbau einer Hierarchie der Prinzipien zum Lösen Technischer Widersprüche:Universalprinzipien - minder universelle Prinzipien - für bestimmte Fachgebiete anwendbare Lösungsvorschläge.

•   Neue Sicht auf die Umkehr- und die Analogieeffekte. Nachweis methodischer Defizite bei Spitzenwissenschaftlern und berühmten Entdeckern. Praktische Empfehlungen zum generellen Einsatz des Umkehrprinzips sowie zum systematischen Denken in Analogien

•   Ausweiten der von Altschuller ursprünglich überwiegend maschinentech-nisch orientierten Beispielsammlung auf die Gebiete Chemische Technologie sowie Medizin und Medizinische Technik.

•   Wichtige TRIZ-Bausteine als Elemente übergeordneten Denkens. Beispiele aus den Gebieten Literatur, Karikaturen, Aphorismen und Werbung. TRIZ als universelle Denkmethode. 

•   Ein bisher noch nicht beschriebenes, universell gültiges Gesetz der 

       Entwicklung Technischer Systeme:

„Die Funktionsfähigkeit eines Systems wird primär nicht durch konstruktive Gesichtspunkte, sondern durch die sich aus dem Verfahrens-Funktions-Prinzip ergebenden Notwendigkeiten bestimmt“.

•  Denkfelder und Ideenketten: Beispiele zur systematischen Mehrfach-Anwendung ein und desselben physikalischen Effekts für analoge Lösungen auf sehr verschiedenartigen Gebieten. Verbindende Gemeinsamkeit ist die Nutzung des „Von Selbst“-Prinzips.

•    Sieben Elementarverfahren, anwendbar sowohl in der systemanalytischen wie auch in der systemschaffenden Phase.

•   Vorschläge zur sinnvolleren Nutzung der „klassischen“ Kreativitätsmethoden unter Einsatz der TRIZ-Denkweise.

•    Anleitung zum Formulieren von Patentschriften unter konsequenter Verwen­dung der widerspruchsorientierten TRIZ-Terminologie. Standardformulie­run­gen für eine erfolgreiche Patentanmeldung.

•   TRIZ-basierte Fragen als Instrumente zum Bewerten aktueller Verfahren und Produkte, zum Beurteilen der Güte von Projekten sowie zum Bewerten des Niveaus neuer Lösungen.

•   Ein großer Erfinder aus Sicht des Methodikers: die Arbeitsweise des Leichtbau- und Flugzeugpioniers Hugo Junkers.

 Literaturquellen

 

[A1]  G. S. Altschuller, Erfinden – (k)ein Problem ? Verlag Tribüne, Berlin 1973

[A2] G. S. Altschuller, Erfinden - Wege zur Lösung technischer Probleme, Verlag Technik, 2. Auflage Berlin 1986

 [Zo2] D. Zobel, Erfinderpraxis - Ideenvielfalt durch Systematisches Erfinden, Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1991

 [L2] H.-J. Linde u. B. Hill, Erfolgreich erfinden - Widerspruchsorientierte Inno-vationsstrategie für Entwickler und Konstrukteure, Hoppenstedt Technik Tabellen, Darmstadt 1993 

[T1] J. Terninko, A. Zusman u. B. Zlotin, TRIZ – Der Weg zum konkurrenzlosen Erfolgsprodukt. (Hrsg.: R. Herb). verlag moderne industrie, Landsberg/L. 1998

[H6] R. Herb, T. Herb u. V. Kohnhauser, TRIZ - Der systematische Weg zur Innovation, verlag moderne industrie, Landsberg/Lech 2000

[Or1] M. Orloff, Meta-Algorithmus des Erfindens, TRIZ - Kurs für Profis. Lege Artis M&V Orloff GbR, Berlin 2000

[Zo3] D. Zobel, Systematisches Erfinden - Methoden und Beispiele für den Praktiker. expert-verlag Renningen, 1. Aufl. 2001, 2. Aufl. 2002, 3. überarbeitete und erweiterte Aufl. 2004, 4. durchgesehene Aufl. 2006, 5. vollständig überarbeitete und erweiterte Aufl. 2009

[Li2] P. Livotov u. V. Petrov, TRIZ Innovationstechnologie, Produktentwicklung und Problemlösung. Handbuch, TriSolver Cosulting, Hannover 2002

[Zo4] D. Zobel, TRIZ FÜR ALLE. Der systematische Weg zur Problemlösung. expert-verlag Renningen, 1. Aufl. 2006, 2. Aufl. 2007, 3. Aufl. 2011; neu 2018: 4. vollständig überarbeitete, erweiterte Suflage 2018[Zo5] D. Zobel, Kreatives Arbeiten. Methoden - Erfahrungen - Beispiele. expert-verlag Renningen 2007[Zo6] D. Zobel u. R. Hartmann, Erfindungsmuster. TRIZ: Prinzipien, Analogien, Ordnungskriterien, Beispiele, expert-verlag Renningen 2009.

 Die kreativen Problemlöser

Autor: Dr. Dietmar Zobel  Aug.2014 

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 Beitrag 3. Vor der Idee(nfindung) steht die „richtige“ Aufgabenstellung (zu finden).

                                                         Von der ursprünglichen

Aufgabenstellung zu deren nötigen Präzisierung ist es

normalerweise

ein großer Sprung -

KPH's Bild der ansetzenden Heu-schrecke ist dafür doch so etwas

wie eine Anregung.

 

 

Inhaltskurzfassung als Vorspann*:

* ein Langfassung liegt z.B. auch im Buch 'Handlungsorientierte Kreatvitätstechiken' vor sowie in www.problemlösendekreativität.de/Aufgabenstellung

 Eine richtige Fragestellung in der Analyse ist oft mehr als der halbe Weg zum Erfolg. Dem gilt der erste Unterpunkt: „Lösungen sind nötig – nicht ewige Vorbereitung“.

Die Aufgabenstellung (AST) ist i. d. R. die erste Stufe in auf Innovationen gerichteten Arbeitsprozessen. Innovationen erfordern Kreativität. Und Kreativität bedeutet, etwas „Neues“ hervorzubringen, das sinnvollerweise besser als das bisherige sein soll und so noch nicht da war.

Wenn es also beim Ziel der AST letztlich um Neues geht, ist eigentlich verständlich, dass das eigentlich Neue eigentlich unbekannt ist, also eigentlich schwer zu beschreiben ist. Das ist das innere Dilemma jeder „echt“ kreativen AST. 

Klar folglich, dass AST nahe zu immer ungünstig formuliert sind oder falsche Vorgaben enthalten, unvollständig oder „vergiftet“ usw. - kurz mit Mängeln behaftet sind. Ohne gründliche Analyse werden diese Mängel meist erst im schon weit fortgeschrittenen Ar­beitsprozess - dann mit immensen Korrekturaufwand – erkannt; wenn es überhaupt möglich ist, sie zu beseitigen.

Konsequenterweise sieht der Autor einen bestimmenden Schwerpunkt jeder, aber beson­ders der methodenbewussten Kreativitätsförderung bei den Analysestrecken der Aufga­benaufbereitung liegen. Vier Gründe werden dafür benannt.

Allerdings stehen Analysen in der gängigen Literatur der Kreativitätstechniken leider klar im Hin­tergrund zu dem „Ideenfinden“. Sind Ihnen z.B. Analysemethoden für AST geläufig?

Die Wichtigsten nennt eine Tabelle von Analysearten mit Bezug zum Problemlösungs-prozess.

Bei Analysemethoden gilt als Grundsatz „nicht schnell durch“, sondern so gründlich wie nötig. Keine Unterschätzung dieser notwendigen, wenn auch oft für den Kreativen lästigen Phase. Es kann sogar eine Mehrstufigkeit von Analysen notwendig werden.

Für die Akzeptanz der „Analysearbeit“ ist zu klären, warum eigentlich Analysen wirksam sein können für den kreativen Prozess? Ihre Wirkprinzipien werden erläutert und mit Beispielen kommentiert!

Nachfolgend orientiert sich der Text auf die so genannte „Auftaktanalysen“ als Start für kreatives Arbeiten. Die Einbindung in den Problemlösungsprozess wird dargestellt. Eine ‚Stabskarte’ für die gängigen Analysemethoden zu Auftaktanalysen unterstützt die oft schwierige Wahl der am günstigsten geeigneten Analysemethode . Wichtige, einfach gut nutzbare sieben Praxisempfehlungen sind eine Strategie für die eigenständige Nutzung der Analysemethoden. Damit schließt der Beitrag.

Schwerpunkte:

•        Lösungen sind nötig, nicht ewige Vorbereitung

•        Warum ist die Analyse der Aufgabenstellung ein Schwerpunkt  

          der Kreativitätsförderung?

•        Analysearten

•        Zweistufigkeit von Analysen in der wissenschaftlich—technischen Arbeit

•        Warum funktioniert eine Analyse?

•        Problemsensibilität / Einbindung in den Problembearbeitungsprozess

•        Konzentration auf Auftakt-Analysen / „Stabskarte für Auftaktanalysen“

•        Praxisempfehlungen für Auftaktanalysen

•        Literatur.

 1. Lösungen sind nötig, nicht ewige Vorbereitung

1.1 Wert einer Aufgabenanalyse

W. Heisenberg wird in Heister [He 1, S.266] zitiert „Die richtige Fragestellung ist oft mehr als der halbe Weg zum Erfolg“. Diese Frage ist mit der Analyse der jeweiligen Aufgabe gleich zu Anfang zu stellen. Erst sollten wir wissen, was wir wollen und um was es uns warum tatsächlich geht. Ist das aber nicht jedem ernsthaften Bearbeiter klar?

Keineswegs! Aufgabenstellungen sind die problematischste Schwachstelle im Problem­lösungsprozess. Dort liegen beim Problemlösen die größten Risiken für fehlerhaftes Vorgehen, Missverständnisse, Ursachen von Doppelarbeit, Vergeudung von Arbeitszeit und Kapazität, Irrtümer und Misserfolg. Das ist nicht Vermutung, sondern praktische Realität. Es trifft leider auch oder gerade für die Problemlösungen im Bereich Wissen­schaft, Technik sowie in der Wirtschaft zu. Obwohl deren Problemlösern doch meist von vornherein hoch qualifizierte Arbeit unterstellt wird!

Das ist aber gar kein Widerspruch. Denn es geht bei diesen Aufgabenstellungen (AST) in der Regel um zu betretendes Neuland. Es sind kreative Lösungen nötig, zu denen - außer Wünschen oder etwas klarer formulierten Aufträgen - kaum mehr vorliegt, wenn die Lösung tatsächlich neu, also eigentlich noch unbekannt sein soll. Daraus resultiert ja diese Schwachstelle. Wie kann dieser Schwachstelle, diesem Risiko, gegen gewirkt werden?

Schon bei der breiten Palette an Literatur über Kreativität und Kreativitätstechniken, die bei kreativen Lösungen unterstützend helfen sollen, fällt auf, dass dem Ideenfinden (z.B. mit Brainstorming u. ä.) viel Aufmerksamkeit durch geeignete Kreativitätstechni­ken eingeräumt wird. Aber sehr viel seltener wird eine Methode, eine gestaltete Krea­tivitätstechnik oder Vorgehensweise zu Analysen der Aufgabe dargestellt oder hinrei­chend erläutert (dazu später eine gesonderte Aussage). Leider sind solche Kreativitäts­techniken zur Phase der Aufgabenstellung auch in der praktischen Beherrschung gar nicht so verbreitet. Selbstverständlich gibt es sie in Literatur und Praxis - aber oft nicht mit der nötigen Wertigkeit z.B. gegenüber dem Ideenfinden. Viele Literaturquellen befassen sich lieber mit dem Zünden der Idee, dem - zugegeben nicht einfachen - ‚Besteigen der Bergspitze’, als auch mit der Analyse der Aufgabenstellung dazu, dem steinigen und langwierigen Weg durch die Ebene zur Vorbereitung des richtigen Aufstiegs auf den Berg. Das ist auch beim Bearbeiter oft so! Eine (z. T. auch komplizierte, aufwändige, langwierige bzw. nicht schnell der Lösung nahe kommende, aber) objektiv nötige Vorbereitung der Lösung ist subjektiv unbeliebt. Ein Schnell­schuss hat die positive Einstufung als ‚Schnäppchen’. Scheinbar ein zutiefst mensch­liches Hoffen! Aber der Analyse der Aufgabenstellung die nötige Wertigkeit zu zu­ordnen, ist ein erfolgreicher Weg zur Risikominimierung.

Das nicht zu tun, erklärt sich eigentlich daraus, dass gerade in diesen Fällen voll und schon frühzeitig auf die ‚Intuition’ gehofft wird. Der ‚Funke’ würde so schon kommen und das Problem würde damit quasi im Vorbeigehen gelöst! Aber nicht in Wissen­schaft, Technik und Wirtschaft! Da ist ernsthafte Arbeit gefragt und die Erfolgreichen berichten begründet mehr über den ‚Schweiß der Ebene’ und den nicht einfachen Weg, bis die Lösung genügend klar und vorbereitet war, als über das Ideenzünden selbst. Duncker [2, S.9/10] beschreibt schon ca. 1930: Die Endgestaltung des ... Lösungsvorschla­ges wird im Allgemeinen nicht in einem einzigen Schritt von der ursprünglichen Problemstellung her erreicht, sondern ... in sukzessiver Konkretisierung ... entwickelt sich die Endgestaltung der ... Lösung. ... Die Findung einer allgemeinen Lösungseigenschaft ist nun (jedes Mal) gleich bedeutend mit einer Umformung des ursprünglichen Problems. ... Wir können somit einen Lösungsprozess ebenso als Entwicklung der Lösung wie als Entwicklung des Problems beschreiben.“ Ähnlich äußern sich zum Einfluss der Aufgabenstellungsanalyse auch viele andere Kreativitätstech­niker. Es gilt sogar die Aussage: wenn es richtig ist, im Problemlösungsprozess rationell vorzugehen – also Aufwand zu sparen –, bedeutet ‚rationell’ für die Analysephase der Aufgabenstellung: diese besonders gründlich, ja langsam zu durchlaufen, dort keineswegs Zeit, Zwischenschritte usw. einzusparen. Die Analyse der Aufgabenstellung präzisiert schließlich das Ziel, den Zweck und die nötigen Aktivitäten des Problemlösens. Je besser sie das tatsächliche Ziel erfasst, umso weniger Umwege, Fehlentscheidungen und Irrtümer verlängern den Weg zur Lösung. Das ist der entscheidende Wert der Analyse für die Problembearbeitung.

     1.2 Das Dilemma jeder ‚echt’ kreativen Aufgabenstellung

Die Aufgabenstellung ist i. d. R. die erste Stufe in auf Innovationen gerichteten Arbeitspro­zessen. Für Innovationen ist Kreativität letztlich der Kern der Aufgabe. Die Aufgabenstel­lung hat dabei eine interessante Konstellation bezüglich dieses Kerns zur Lösung und des zu bestimmenden Zieles: 

      Kreativität bedeutet, etwas ‚Neues’ hervorzubringen, das so noch nicht da war

         und sinnvollerweise besser als das Bisherige sein soll.

    Wenn es also beim Ziel tatsächlich um Neues geht, ist eigentlich verständlich, dass

         das eigentlich Neue eigentlich unbekannt ist, also eigentlich schwer zu beschreiben

         ist.

Das ist das Dilemma jeder „echt“ kreativen Aufgabenstellung. Denn das ‚unbekannte Neue’ klar genug zu beschreiben, geht eigentlich gar nicht!

Daraus wird verständlich, dass solche Aufgabenstellung nahe zu immer ungünstig formu­liert sind oder falsche Vorgaben enthalten, unvollständig oder „vergiftet“ usw. – kurz mit Mängeln behaftet – sind. Es darf konsequenterweise keine Ideenfindung beginnen, wenn nicht die dazu genutzte Aufgabenstellung entsprechend aufbereitet, präzisiert ist. Ohne gründliche Analyse werden vorhandene Mängel der Aufgabenstellung meist erst im schon fortgeschrittenen Arbeitsprozess erkannt. Sie können – wenn überhaupt – meist nur mit immensem Aufwand wieder korrigiert werden. Symbolisch: die ‚eingesparte’ Zeit beim Bestimmen der nötigen Richtung (des richtigen Zieles), kann nicht den Zeitaufwand kompensieren, der entsteht, wenn (auch mit hohem Tempo) in eine falsche Richtung gerannt wurde. Und viel zu oft werden fehlerhafte Richtungen eingeschlagen und vorschnell in diese zu rennen begonnen!

Deshalb stellt der Autor diese Thematik hier dar und fordert für praktische Kreativitäts­förderung die ‚Analysestrecken der Aufgabenaufbereitung’ als einen entscheidenden Schwerpunkt des methodenbewussten Vorgehensweisen einzuordnen. Wie bereits oben erwähnt, wird das keineswegs allgemein so in der populären Literatur gewertet.

Warum sieht der Autor einen Schwerpunkt der methodenbewussten Kreativitätsförderung bei den Analysestrecken der Aufgabenaufbereitung liegen [St 1, S. 73)?

1. bereits in der Startphase werden für ‚fehlende’ oder ‚unwirksame Innovationen’ die Fehler gemacht;

KT-Buch/ISBN2. der Einfluss einer ‚richtigen’ Aufgabenstellung auf die Lösungseffizienz ist i. d. R. größer als der einer rationellen Bearbeitung;

3. der Bearbeiter braucht externe Hilfe am meisten am Anfang der Bearbeitung. Dort herrscht seine größte Unsicherheit, springt er zwischen Alternativen, dort ist - auch fachliche - Vielfalt gefragt. Gegen Ende der Bearbeitung kann methodische Hilfe von außen sogar unerwünscht oder gar als hinderlich gewertet werden.

4. Langjährige Erfahrungen bestätigen, dass Analysemethoden geeignet sind, an ihnen den Umgang mit heuristischen Methoden und Kreativitätstechniken zu trainieren.

 

     1.3 Ein simples Beispiel für den kreativen Einfluss einer Analyse

Es geht um eine für das Gebiet an sich untypische Denksportaufgabe. Der Leser kann sie also durchaus überspringen, sie verdeutlicht nur den Wert einer Analyse.

Es seien vier Dreiecke aus sechs (unveränderten) Streichhölzern zu formen (zu skizzieren).

Ein erster kluger Analyseansatz sagt z. B: für vier Dreiecke benötige ich 4x3 Streichhölzer, also 12. Ich habe nur die Hälfte! Eigentlich ein Widerspruch oder jedes Streichholz sollte zwei Dreiecken dienen! Ein Lösungsversuch wäre schon: probieren, wie ich die Streichhölzer legen kann, dass sie zwei Dreiecken dienen. Damit - oder als Fortführung der Analyse im Gedankenexperiment - erkenne ich, egal wie ich sie aneinander lege, immer gibt es einige Außenhölzer, die nur einem Dreieck dienen. Das kann nicht der Weg zur Lösung werden. Schlussfolgerung: jedes Streichholz muss zwei Dreiecken dienen, auch die ‚Außenstreichhölzer’, dann löst sich der scheinbare Widerspruch vom Aufgabenstart Also die Aufgabe kann so präzisiert werden: wie kann ich vier Dreiecke so aneinanderlegen, dass es keins mit einer Außenseite gibt, die nur einem Dreieck zugehörig ist? Lösungsansatz/-idee: die ‚Außenseiten’ verbundener Dreiecke müssen sich auch verbinden können. Damit kann die Analyse der Aufgabe beendet werden.

Jetzt muss der Ansatz zur Lösung entwickelt werden..... Entsprechend verbinden lassen sich die Dreiecke nicht in einer Ebene. Die Ebene muss verlassen werden. Eine dreiseitige Pyramide (Tetraeder) ergibt dann die Lösung. 

1.4 Also erst Analyse, bevor Ideenfindung beginnt

Selbst das vorstehend einfache Beispiel zeigt, wie durch die Analyse der Situation der Aufgabe (Präzisierung) dem Problemkern näher gekommen wird und damit die Lö­sungswahrscheinlichkeit steigt – selbst ohne unnötiges praktischen Probieren. Auch daran kann klar werden, die Vorbereitung der Aufgabenlösung durch die Aufgaben­analyse (Aufgabenaufbereitung) dient dazu, den Kern der Aufgabe zu bestimmen. Es ist folglich keineswegs ‚ewiges Vorbereiten’, sondern eine nötige Etappe für eine Lö­sungsfindung, die dann nicht nur sicherer möglich wird, sondern auch insgesamt in kürzerer Zeit erfolgen kann. Es gilt folglich: je besser die (anscheinend ewige) Vorbereitung - sprich Aufgabenanalyse - ist , um so günstiger lässt sich die kreative Aufgabe lösen. Die These der Gesellschaft für Kreativität „Kreativität ist entwicklungs­fähig und kann durch Einsicht, Erleben und Übung gefördert werden“ [4] gilt auch unbeschränkt für die Anerkennung der Wertigkeit der Phase der Analyse der Aufgabenstellung und somit als Hoffnungssignal.

2. Analysearten

Oben wurde viel zu Analysen der Aufgabenstellungen geschrieben. Kennen Sie, lieber mit Kreativitätstechniken sicher vorbelasteter Leser, einige solcher Methoden oder nutzen Sie sie bzw. sind Ihnen Quellen bekannt, wo sie beschrieben werden?

So häufig sind sie gar nicht als methodische Anleitung zu finden. Allerdings treten sie in praktischen Problemlösungsprozessen manchmal sogar mehrfach auf. Da der Autor bisher keine Zusammenstellung solcher Analysen gefunden hat – als Voraussetzung um sich einen Überblick für eine selektive Anwendung zu verschaffen – , hat er eine Übersicht über Analysearten mit Bezug zum Problemlösungsprozess selbst zusammengestellt. Diese Zusammenstellung mag unvollständig und kritikwürdig sein, aber den Zweck, die Vielfalt und die Unterschiedlichkeiten zu zeigen, kann sie erfüllen.

 

 

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